21.04.2017 03:30 | Markus Katzenbach

Eintracht Frankfurt: Wo führt der Weg für die Eintracht hin?

Zwischen Europa und dem Abgrund: Für die Eintracht kann es am Ende dieser verrückten Bundesliga-Saison noch in alle Richtungen gehen. So ist die Lage vor dem wegweisenden Spiel gegen den FC Augsburg.

Niko Kovac gestikuliert an der Seitenlinie. Foto: Arne Dedert/Archiv
Niko Kovac gestikuliert an der Seitenlinie. Foto: Arne Dedert/Archiv

Es ist noch keine zwei Wochen her, da überraschte Dietmar Hamann mit einer Vorhersage, die er obendrein noch voller Selbstverständlichkeit äußerte. Die Eintracht werde schon noch genug Punkte sammeln, um den sechsten Platz zu erreichen und damit in den Europapokal einzuziehen, war sich der frühere Nationalspieler in seiner Funktion als TV-Experte ganz sicher. Dabei biegen die Frankfurter Bundesliga-Fußballer nicht gerade in vollem Lauf auf die Zielgerade dieser Saison. Fünf Spiele vor dem Ende kann es für sie aber tatsächlich noch in alle Richtungen gehen, wie für fast ein ganzes Dutzend Vereine: nach weit oben, in Richtung Europa. Oder nach unten, an den Rand des Abgrunds. Die Partie am Samstag gegen den FC Augsburg wird dabei wegweisend. So ist die Lage.

Das Endspiel: Das Treffen mit den Augsburger Abstiegskandidaten hat Trainer Niko Kovac in den Rang eines „Endspiels“ erhoben: „Für uns ist das ein Matchball“, sagt er. „Wir können mit einem Sieg den Klassenerhalt abhaken.“ Andernfalls freilich könnte es noch richtig gefährlich werden: Gewinnen die Augsburger, lägen sie zwar immer noch auf dem Relegationsplatz 16, aber nur noch drei Punkte hinter der Eintracht. Plötzlich wäre die Abstiegszone ganz nah. Mit einem Sieg jedoch hätte man nicht nur die traditionelle 40-Punkte-Nichtabstiegsmarke übersprungen, sondern könnte direkt bis auf Platz sechs klettern, der am Ende sicher für Europa-Reisen berechtigt. Indes weiß in Frankfurt kaum noch jemand, wie sich Siege anfühlen: Der bislang letzte – ein zähes 2:0 gegen Darmstadt 98 – war am 5. Februar.

Die Durststrecke: Kurz vor Hamanns Prophezeiung waren die Frankfurter über ein 2:2 gegen Bremen nicht hinausgekommen und damit auch im neunten Punktspiel hintereinander sieglos geblieben, danach verloren sie auch noch bei der Branchengröße Borussia Dortmund. Nur einmal gab es in der Bundesliga-Geschichte eine längere Frankfurter Durststrecke: In der Saison 1983/84 waren es 16 Partien ohne vollen Erfolg. Die Sieglos-Serie zeigt für Kovac, „wie verrückt die Liga ist“. Dass Europa nun trotz nur drei von 30 möglichen Punkten aus zehn Spielen und einem Absturz vom dritten auf den zehnten Platz nicht ganz aus den Augen ist, taugt ebenso gut als Beleg dafür.

Das Schneckenrennen: Gegen Augsburg geht es für die Eintracht erst einmal darum, sich der Abstiegssorgen zu entledigen. Gelingt das, kann man „sich auf andere Ziele stürzen“, wie Kovac sagt. Weil auch die Konkurrenz im Schneckenrennen nach Europa nicht vom Fleck kommt, wäre man da gleich wieder mittendrin. Hertha BSC und der 1. FC Köln, die anderen Überraschungen der ersten Saisonhälfte, schwächeln ebenfalls. Und europäische Stammkräfte wie Gladbacher, Schalker oder Leverkusener finden einfach nicht recht in die Spur. So eng ging es zwischen den Rängen fünf und 16 selten zu in der ersten deutschen Fußball-Klasse. Da ist auch für die Eintracht noch alles möglich. Wie wahrscheinlich aber ist das?

Hohe Mathematik: Der Frankfurter Mathe-Professor Matthias Ludwig hat ein Modell entwickelt, mit dem er die restlichen Spiele simulieren kann. Demnach beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Eintracht den sechsten oder den wohl auch für den Europacup ausreichenden siebten Platz erreicht, bei immerhin 14 Prozent. Vor drei Wochen waren es gar noch 44 Prozent. Angesichts von auch jetzt nur 0,5 Prozent Absturz-Gefahr auf den Relegationsplatz 16 lautet das Fazit des Mathematikers: Der Abstieg ist kein Thema, von Europa aber lässt sich noch träumen. Wahrscheinlicher ist ein Zieleinlauf irgendwo im Mittelfeld – was nach dem Höhenflug der Frankfurter Fast-Absteiger in der Hinrunde ernüchternd, nach den Schrecken der Vergangenheit aber insgesamt eigentlich doch immer noch ein Erfolg wäre.

Das muss passieren: Wenn die Eintracht noch die Kurve nach oben kriegen will, muss sie endlich ihre Chancen wieder besser nutzen. Mit Alexander Meier (Fersenentzündung) fehlt vorne der Torschütze vom Dienst allerdings weiter auf unbestimmte Zeit. Und dass hinten nach Makoto Hasebe nun auch Jesus Vallejo das Saison-Aus droht, macht es nicht leichter. Noch mehr Ausfälle sollte es nicht geben.

Das steht noch auf dem Spiel: Allein für die Fernsehgeld-Bestandswertung lohnt es sich, die Kräfte noch einmal zu bündeln. Acht Plätze in der Bundesliga-Tabelle vor Mainz, sechs vor Augsburg, einen vor Werder und höchstens einen hinter Köln: Dann wäre die Eintracht TV-Neunter, und jeder einzelne Rang ist zwischen ein und zwei Millionen Euro wert. Und sollte es wirklich noch nach Europa gehen, wäre das für Frankfurter Verhältnisse ein richtig großes Geschäft: Das bislang letzte Europa-League-Jahr 2013/2014 war mit zehn Millionen Euro Gewinn das wirtschaftlich erfolgreichste der Eintracht-Geschichte. Wie in der TV-Wertung hat ein gutes Abschneiden auch hier langfristige Effekte.

Ruhm und Reichtum lassen sich natürlich auch im DFB-Pokal-Halbfinale am Dienstag bei Borussia Mönchengladbach mehren. Erst einmal aber gilt die ganze Aufmerksamkeit dem „Endspiel“ gegen Augsburg – um den richtigen Weg für den Endspurt einzuschlagen.

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