13.04.2017 03:30 | Markus Katzenbach

Nach Anschlag auf BVB-Mannschaftbus: Hellmann: „Angriff auf die ganze Fußballfamilie“

Frankfurt Der Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus schockt auch die Eintracht, die am Samstag nächster Gast bei der Borussia ist. „Das betrifft alle Vereine“, sagte Vorstand Axel Hellmann und kündigte zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen an. Verschanzen will er sich aber nicht.

Axel Hellmann
Axel Hellmann Bild: Christian Klein ( FotoKlein)

Ihr Mitgefühl haben die Führungskräfte der Frankfurter Eintracht den Kollegen von Borussia Dortmund bereits persönlich übermittelt, an weitere Fragen war an dem Tag nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB nicht zu denken. „Sie haben den Kopf mit anderen Dingen voll. Sie müssen sich um die Mannschaft kümmern, Schockzustände verarbeiten, sie haben sich um organisatorische Dinge zu kümmern, wenn man so eine Riesenspiel von dem einen auf den anderen Tag verlegt“, sagte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann am Mittwochnachmittag, ein paar Stunden, bevor der Anpfiff zum Viertelfinale in der Champions League zwischen der Borussia und dem AS Monaco dann im zweiten Anlauf erfolgte. Redebedarf aber besteht zwischen den Vereinen – schließlich sind die Frankfurter schon am Samstagnachmittag die nächsten Gäste im Dortmunder Fußball-Tempel.

„Wir werden uns in den nächsten Tagen mit den Verantwortlichen kurzschließen“, kündigte Hellmann an. Es ist eine Dienstreise, die plötzlich unter ganz anderen Vorzeichen steht und die für den Eintracht-Vorstand von einem „mulmigen Gefühl“ begleitet wird, nach den drei Sprengsätzen, die am Dienstagabend in einem Dortmunder Stadtteil bei der Abfahrt des Borussen-Busses vom Hotel zum Spiel gegen Monaco explodierten.

„Das ist ein Angriff auf die Integrität und Freizügigkeit des Fußballs, der nicht nur Borussia Dortmund, sondern die ganze Fußballfamilie und alle Vereine betrifft“, betonte Hellmann. Damit sei eine „andere Stufe“ erreicht: „Der Fußball ist offensichtlich auch ein Projektionsfeld geworden für Tätergruppen, um politische Ziele durchzusetzen oder sie zumindest zum Ausdruck zu bringen.“

Welche Folgen die Ereignisse vom Dienstagabend für die Eintracht und ihre Fans mit Blick auf die anstehende Dortmund-Fahrt und darüber hinaus haben werden, war gestern noch nicht abzusehen. Klar ist, dass zusätzliche Vorkehrungen getroffen werden, nicht zuletzt, um die Mannschaft sicher ins Stadion zu bringen. Ins Detail wollte Hellmann dabei nicht gehen. „Wir dürfen über unsere Taktik, über unsere Sicherheitsmaßnahmen nicht allzu viel in die Öffentlichkeit tragen, weil es dann auch leichter wird, sich damit auseinanderzusetzen“, meinte er. Nur so viel: Es werde am Samstag eine „intensivere personelle Begleitung“ geben: „Wir müssen unsere Sicherheitsstandards bei bestimmten Szenarien nach oben fahren können.“ Wünschenswert sei das nicht, zumal es „Kompromisse in der Fankultur“ nach sich ziehen könne: „Aber wir sind jetzt erstmal alarmiert und müssen reagieren – auch wenn noch nicht endgültig geklärt ist, wer hinter der Tat steckt.“

Für Hellmann ist das die schwierigste Herausforderung bei diesem Thema: einerseits möglichst wenige Freiheiten einschränken, andererseits ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten. „Unser gesamtes Konzept – im Stadion, in der Geschäftsstelle, an den Trainingsplätzen, bei der Anfahrt – ist nicht darauf ausgelegt, Hochsicherheitszonen zu bilden. Es ist darauf ausgelegt, dass die Menschen Fußball anfassbar erleben. Das dürfen wir nicht ändern“, beteuerte er. „Gleichzeitig wird die terroristische Lage zu den Szenarien gehören, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.“

Die Frankfurter Spieler trainierten gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das war ohnehin so geplant. „Sie versuchen so gut es geht, sich normal vorzubereiten“, sagte Hellmann. „Es wird bei dem Spiel eine besondere Stimmungslage geben, die auch uns einfangen wird“, ahnte er. „Die Spieler wissen aber, dass sie als Profifußballer in der Pflicht sind, so ein Spiel professionell und – in Anführungszeichen – normal anzugehen.“

Normalität ist für ihn dabei ein wichtiges Stichwort. „Du darfst einer solchen Tat nicht weichen“, erklärte Axel Hellmann und fügte an: „Wo fängst du an? Irgendwann machen wir sonst gar keine Weihnachtsmärkte mehr, keine öffentlichen Auftritte, und irgendwann geht uns das ganze liberale Weltbild verloren, weil wir uns hinter Mauern verschanzen. Das kann nicht der Weg des Fußballs sein.“

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