10.08.2017 03:00 | Hartmut Scherzer

Eintracht Frankfurt: Dieter Stinka, der Meister von 1959, wird heute 80 Jahre alt

Friedberg 75 Mark für einen Heimsieg, 3000 fürs Europacup-Finale: Vor fast 60 Jahren hatten die Fußballstars noch ein richtig bescheidenes Leben.

Dieter Stinka (Mitte) 1964 im Spiel gegen 1860 München. Rechts Torhüter Egon Loy. Bilder >
Dieter Stinka (Mitte) 1964 im Spiel gegen 1860 München. Rechts Torhüter Egon Loy. Bild: imago sportfotodienst

Treffpunkt ist der „Golfpark am Löwenhof“ in der Wetterau. Dieter Stinka, rank und schlank, schiebt nach fünf Stunden und 18 Loch seinen Caddy zum Auto und packt ein. Die kurzen Hosen entblößen stramme Waden. Fußballer-Beine eben. Jeden Dienstag und Donnerstag hält sich der linke Läufer der berühmtesten Eintracht-Mannschaft mit diesem Golf-Marathon fit. „Ich spiele aus Freude, nicht wegen eines Handicaps“, sagt der Pensionär. An diesem Donnerstag fällt die Golfpartie aus. Dieter Stinka feiert seinen 80. Geburtstag.

Der Jubilar und seine Frau Helga haben die alten Kameraden ins „Alte Zollhaus“ eingeladen, unweit ihrer Eigentumswohnung in Seckbach: Egon Loy, Friedel Lutz, Hans Weilbächer, Erwin Stein, Istvan Sztani. „Ekko“ Feigenspan, in Augsburg zu Hause, hat abgesagt. Dieter Lindner fehlt aus gesundheitlichen Gründen. Alfred Pfaff, Richard Kress, Hermann Höfer, Hans Eigenbrodt, Erich Meier sind verstorben. Diese 13 Männer haben Eintracht-Geschichte geschrieben: Einzige deutsche Meisterschaft mit dem 5:3-Sieg nach Verlängerung im legendären Endspiel 1959 gegen Kickers Offenbach vor 81 000 Zuschauern im Berliner Olympia-Stadion. Sensationelle 6:1- und 6:3-Triumphe im Halbfinale gegen die Glasgow Rangers. Als erster deutscher Verein im ebenfalls legendären Endspiel des Europapokals der Landesmeister. Trotz der 3:7-Niederlage vor 127000 Zuschauern im Glasgower Hampden Park gegen den nunmehr fünfmaligen Sieger, das Real Madrid der Di Stefano, Puskas und Gento, gewann die Eintracht internationalen Ruhm.

Wir unterhalten uns – es ist Dienstag – bei einer Tasse Kaffee im Zeitalter der 222-Neymar-Millionen unter anderem über Peanuts. 3000 D-Mark Prämie hat die Mannschaft dem Präsidenten Rudi Gramlich nach zähen Verhandlungen für das Erreichen des Glasgower Finales abgerungen. 160 Mark monatliches Grundgehalt, 75 Mark Prämie für einen Heimsieg, 90 für einen Auswärtssieg gab es für die Vertragsspieler zu Oberliga-Zeiten.

Stinka, gebürtiger Ostpreuße, erzählt heute Unvorstellbares. „Wir verdienten unseren Lebensunterhalt in einem normalen Beruf.“ Das hatte zur Folge: Der Postbeamte Stinka trat morgens um sieben Uhr seinen Innendienst an, durfte ausnahmsweise schon um 13 Uhr Feierabend machen. Denn abends trat die Eintracht im ausverkauften Waldstadion vor 77 000 Zuschauern gegen die Rangers an. Am nächsten Morgen, pünktlich um sieben, saß Stinka wieder an seinem Arbeitsplatz. Als Bundesliga-Profi, als Co-Trainer Erich Ribbecks und Dietrich Weises, als Trainer der Eintracht-Amateure und des FSV hat Stinka stets weiter gearbeitet. Zuletzt beim Bundesrechnungshof, um seine Pensionsansprüche nicht zu verlieren.

Neidisch auf die heutigen Fußball-Millionäre? „Nein. Es waren damals andere Zeiten. Aber sie waren schöner.“ Warum? „Die Kameradschaft, die bis heute hält, das unvergessliche Erlebnisgefühl dieser großen Spiele. Die 33-tägige Weltreise 1962 war für damalige Verhältnisse eine Sensation. Die Eintracht war damals weltweit die bekannteste deutsche Fußball-Mannschaft. Heute sind die Triumphe doch nur noch Momentaufnahmen. Für uns sind sie einmalige Erlebnisse fürs Leben geblieben.“

Dass Stinka 1959 nicht zu den Verlierern zählte, hat er Paul Osswald zu verdanken. „Als junger Spieler des FC Gelnhausen in der Hessen-Auswahl wollte ich zu den Kickers wegen des Trainers. Doch Paul Osswald wechselte 1958 zur Eintracht. Also bin ich ihm gefolgt.“ Heute Abend sind in der Seniorenrunde zum runden Geburtstag Dieter Stinkas die Gesprächsthemen vorgegeben: Die guten alten Zeiten.

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