09.08.2017 03:30 |

Trainer des TuS Erndtebrück im Interview: „Die Eintracht ist für uns ein Glückslos“

Erndtebrück, am Samstag Gegner der Frankfurter Eintracht im DFB-Pokal, ist im östlichen Westfalen ein echter Fußball-Hotspot. Gerade ist der ortsansässige Turn- und Sportverein zum zweiten Mal binnen drei Jahren in die Regionalliga West aufgestiegen – damals wie heute unter Trainer Florian Schnorrenberg (40), mit dem sich unser Mitarbeiter Roland Stipp unterhielt.

Trainer Florian Schnorrenberg feiert mit seiner Tochter einen Sieg des TuS Erndtebrück.
Trainer Florian Schnorrenberg feiert mit seiner Tochter einen Sieg des TuS Erndtebrück. Bild: osnapix / Hirnschal (imago sportfotodienst)

Mit Urlaub war es dieses Jahr wohl nichts, Herr Schnorrenberg, als Trainer und Sportlicher Leiter in Personalunion?

FLORIAN SCHNORRENBERG: Immerhin eine Woche war drin. Wobei: Ist ja klar, dass das keine ganz normale Woche war. Im Grunde war ich nur am telefonieren. Meine Familie ist nachher noch eine Woche ohne mich weg gewesen – um sich davon zu erholen.

Nach dem Aufstieg in die Regionalliga sind ja nun Spieler gefragt, die noch mehr Zeit aufwenden können. Wie ist es denn um das Profitum in Erndtebrück bestellt?

SCHNORRENBERG: Das ist unmöglich. Bei uns läuft alles auf Amateurbasis. Natürlich versuchen wir, alles so professionell wie möglich zu machen, aber eben in bescheidenem Rahmen. Wir haben Schüler, Studenten, Minijobber und weniger Vollzeitarbeiter als in der Regionalligasaison vor zwei Jahren. Es ist sehr schwer, acht bis zehn Stunden am Tag zu arbeiten und dann noch vier bis fünf Mal die Woche zu trainieren.

Wahrscheinlich musste sogar der eine oder andere Spieler aus der Aufstiegsmannschaft aus beruflichen Gründen passen?

SCHNORRENBERG: Jedenfalls haben wir 16 neue Spieler und nur noch sieben aus der letzten Saison. Vier waren schon 2015 im Pokal gegen Darmstadt dabei. Drei oder vier andere hätten wir gerne noch behalten, aber das ging aus wirtschaftlichen oder privaten Gründen nicht.

Gab es auch schon Spieler, denen Sie empfohlen haben, lieber nicht zu viel auf die Karte Fußball zu setzen?

SCHNORRENBERG: Wir sind jedenfalls sehr offen in den Gesprächen. Wenn ich das Gefühl habe, dass das angebracht ist, sage ich auch mal einem „hey, vergiss die Ausbildung nicht“. Manche stehen ja nach zwei, drei guten Spielen gedanklich schon der Dritten Liga, da ist der Hinweis vielleicht manchmal wichtig, dass das auch schief gehen könnte. Andererseits will ich auch nicht die Bremse sein oder derjenige, der dem Spieler sagt „du packst das nicht“.

Sie selbst sind ja auch ein gewisses Risiko eingegangen bei der Berufswahl? Profitrainer wollen viele werden.

SCHNORRENBERG: Ich finde, mein Risiko hält sich absolut in Grenzen. Ich habe 17 Jahre lang gearbeitet und nebenbei den Industriefachwirt gemacht und jetzt lässt es sich gut mit der Familie und dem Job meiner Frau verbinden. Noch bin ich ja nicht hauptberuflich Trainer. Aber klar, es gibt wenige Jobs im Profifußball und viele, die dort hinwollen, deswegen wäre der nächste Schritt wahrscheinlich mit einem gewissen Risiko verbunden.

Als Hospitant bei Borussia Mönchengladbach haben Sie miterlebt, wie es bei einem Bundesligaverein zugeht. Wie groß ist der Unterschied?

SCHNORRENBERG: Wir sind dankbar, als Dorfverein in der Regionalliga dabei zu sein, aber wenn Du nach Gladbach kommst, weißt du, wie weit du davon weg bist. In Gladbach gibt es sieben Rasenplätze, wir sind der einzige Regionalligist, der gar keinen hat und nur auf Kunstrasen trainieren kann. Wegen des Pokalspiels haben wir jetzt ausnahmsweise dreimal auf der Wiese trainiert, das gibt es sonst in einer ganzen Saison nicht.

Was für Spielertypen sind das denn, die bei einem Außenseiter auf dem Land anheuern? Aus dem eigenen Verein und aus Erndtebrück selbst werden ja nicht allzu viele kommen?

SCHNORRENBERG: Nein, unsere A- und B-Jugend spielt in der Bezirksliga, das ist dann doch ein zu großer Sprung. Da müsste einer schon ein Ausnahmetalent sein. Immerhin geht der eine oder andere zu einem höherklassigen Verein, um dort eine gute Ausbildung zu bekommen. Zu uns kommen vor allem Spieler, die sich für gestandene Dritt- und Viertligavereine empfehlen wollen.

War die Aussicht auf das Spiel gegen die Eintracht eine Hilfe bei der Verpflichtung von neuen Spielern?

SCHNORRENBERG: Die Regionalliga war da ein Argument und natürlich das Spiel gegen die Eintracht.

Wie passt das Pokalspiel gegen die Eintracht ins sportliche Konzept des Trainers? Es wird ja einige Körner kosten.

SCHNORRENBERG: Na klar, das wird für uns anstrengend. Aber auf der anderen Seite ist das ja auch ein Spiel, das man über die Motivation bestreitet, wo man über die Euphorie kommt. Dass wir eine grandiose Laufleistung brauchen, eine enorme Kompaktheit, ist klar. Und ich hoffe, dass wir ab und an mal Entlastung schaffen und nicht permanent 25 Meter vor dem eigenen Tor eingekesselt sind. Vielleicht wird uns die Kulisse beflügeln und das Erlebnis, gegen den größten Gegner anzutreten, den der Verein je hatte. Jedenfalls wäre ich dankbar, wen wir ein Pokalspiel daraus machen könnten und nicht wie vor zwei Jahren gegen Darmstadt nach zehn Minuten 0:2 hinten liegen.

Hessen ist nicht weit. Wie hoch steht die Eintracht in Erndtebrück im Kurs?

SCHNORRENBERG: Total hoch, wir sind, wie gesagt, ganz nah dran an Mittelhessen. Es gibt eine Menge Eintrachtfans hier und die ersten 500 Karten wurden, glaube ich, hier im Ort verkauft. Die Eintracht ist für uns ein Glückslos.

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