21.04.2017 03:30 | Michael Balk

Frankfurt und Griesheim wollen fusionieren: Volksbanken bündeln Kräfte

Frankfurt Nach Höchst nun also Griesheim: Für die Frankfurter Volksbank steht die insgesamt 16. Fusion mit einem genossenschaftlichen Institut unmittelbar bevor. Das dürfte noch nicht die letzte gewesen sein.

Hauptsitz und Filiale sind in der Alten Falterstraße in Frankfurt-Griesheim. Bilder >
Hauptsitz und Filiale sind in der Alten Falterstraße in Frankfurt-Griesheim. Bild: Maik Reuß

Die Volksbank Griesheim und die Frankfurter Volksbank haben einen Kooperationsvertrag unterschrieben, der in einer Verschmelzung zum 1. Januar 2018 münden soll. „Mit der Kooperation stellen wir die Weichen für eine gemeinsame, erfolgreiche Zukunft“, betonten die beiden Vorstandsvorsitzenden – Eva Wunsch-Weber für die Frankfurter Volksbank und Armin Pabst für die Volksbank Griesheim. Sie sind davon überzeugt, „ein gutes neues Kapitel für beide Volksbanken aufgeschlagen zu haben“.

„Die Volksbank Griesheim hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, erklärte Pabst mit einer Portion Wehmut. „Wir waren immer stolz auf unsere Eigenständigkeit.“ Während die Griesheimer damit Neuland betreten, verfügt das große Frankfurter Institut über eine langjährige Erfahrung bei Fusionen. Seit 1998 ist es bereits deren 16. Streich. Griesheim sei eine Volksbank mit herausragenden Eigenschaften, schrieb Wunsch-Weber dem neuen Partner ins Zeugnis.

Die Kunden seien inzwischen mit einem Brief informiert worden, so Pabst. „An der regionalen Verankerung in Griesheim wird sich nichts ändern“, unterstrich er. Die traditionsreiche Marke „Volksbank Griesheim“ bleibe erhalten. Auch das Geschäftsstellennetz mit den beiden Standorten in Griesheim und Schwanheim sowie der SB-Stelle in Goldstein werde für „mindestens 15 Jahre unverändert fortbestehen“.

Wunsch-Weber betonte, dass alle Mitarbeiter übernommen werden. In den kommenden fünf Jahren werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Zudem profitierten die Griesheimer Mitarbeiter von verbesserten Aufstiegs- und Karriere-Chancen.

Armin Pabst wird nach der Fusion Bereichsvorstand und für die Zweigniederlassung Griesheim verantwortlich bleiben. Sein Vorstandskollege Dieter Stapf übernimmt die Position als Bereichsleiter Privatkunden.

Regulierungswut

Bankchef Armin Pabst begründete das Zusammengehen mit einem starken Partnerinstitut mit einer ungebremsten „Regulierungswut der Aufsichtsbehörden“, die die kleinen Institute nicht mehr stemmen könnten. Die daraus erwachsenden Belastungen seien weder leistbar noch zumutbar für die Mitarbeiter. In diesem Umfeld sei das Kräftebündeln das klügste Vorgehen zur Zukunftssicherung. Viele Aufgaben, die die Regulierungsbehörden verlangten, könnten künftig an die Frankfurter Volksbank delegiert werden, so Pabst. Dort seien professionelle Teams im Einsatz. Für die Griesheimer Kunden werde das Leistungsspektrum ausgeweitet – etwa im Bereich Immobilien oder Vermögensverwaltung.

Eine deutliche Entlastung erhofft sich der Griesheimer Chef auch bei der Bewältigung der Herausforderungen durch die Digitalisierung. Online-Aktivitäten, Bezahlen mit dem Smartphone und eigene Finanz-Apps seien im größeren Verbund nun leichter umsetzbar.

„Wir sind Gallier“

Die Volksbank-Chefin bemühte „Asterix und Obelix“, um deutlich zu machen, wie prekär die Lage durch die Regulierungsanforderungen inzwischen geworden ist. Mit Blick auf Griesheim-Chef Pabst sagte sie: „Wir verstehen uns beide als Gallier, umzingelt und bedroht von den Römern. Gemeinsam wollen wir einen großen Schutzwall um das kleine Gallien errichten.“ Der Druck auf die Banken sei groß geworden, meinte sie. Die Niedrigzinsen verschärften die Belastungen durch die Regulatorik noch weiter. Ein gangbarer Weg sei, die Kräfte zu bündeln. „Die Frankfurter Volksbank ist weiter offen für Partnerschaften“, sagte Wunsch-Weber und dürfte damit die Tür für potenzielle Fusionskandidaten weit aufgeschlagen haben.

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