13.09.2017 03:30 | Günter Murr

Fahrpreiserhöhung: RMV-Preise steigen um 1,5 Prozent

Frankfurt Die Fahrpreiserhöhung beim Rhein-Main-Verkehrsverbund fällt so niedrig aus wie noch nie: Jährlich 1,5 Prozent mehr müssen Fahrgäste in den kommenden drei Jahren zahlen. In Frankfurt sollen die Preise für einige Tickets deutlich sinken – was aber politisch umstritten ist.

Ein RMV-Fahrscheinautomat. Foto: Pieren
Ein RMV-Fahrscheinautomat.

Es ist eine Art Naturgesetz: Jedes Jahr im Januar werden die Tickets für Busse und Bahnen teurer. In den vergangenen Jahren hob der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die Preise zum Teil um mehr als drei Prozent an und begründete das mit den steigenden Kosten. Am Dienstag aber hat der Aufsichtsrat die weitere Entwicklung zumindest gebremst: In den kommenden drei Jahren werden die Preise jeweils um 1,5 Prozent angehoben. Das ist der niedrigste Wert seit Gründung des RMV im Jahre 1995. „Damit haben wir Planungssicherheit“, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat nach der Sitzung. Es sei für den Verbund trotz steigender Kosten verkraftbar, auf eine stärkere Anhebung der Preise zu verzichten. „Wir haben durch wachsende Fahrgastzahlen zusätzliche Einnahmen“, betonte er.

Vergünstigung für Senioren

Die Preiserhöhung gilt für das gesamte RMV-Gebiet und alle Arten von Fahrscheinen. In Frankfurt allerdings sollen einige Tickets auch billiger werden. So ist eine vergünstigte Jahreskarte für Senioren vorgesehen, die 550 Euro und damit rund 20 Prozent weniger als bisher kostet. Wenn damit gute Erfahrungen gemacht werden, könnte das Angebot auf andere Städte ausgeweitet werden.

Um bis zu einem Viertel gesenkt werden sollen auf Initiative des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) die Preise für Einzelfahrscheine und Tageskarten in der Mainmetropole. Feldmann rechnet damit, dass sich diese Vergünstigung selbst finanziert, weil mehr Tickets verkauft werden. Eventuelle Einnahmeausfälle – das Risiko liegt bei mehr als drei Millionen Euro pro Jahr – müsste die Stadt Frankfurt tragen.

Damit ist allerdings die Frankfurter CDU, die mit SPD und Grünen die Mehrheit im Stadtparlament stellt, nicht einverstanden. Sie vermisst ein schlüssiges Konzept. Noch kurz vor der Aufsichtsratssitzung warnten CDU-Politiker den Oberbürgermeister, der Fahrpreissenkung zuzustimmen, da er dafür kein Mandat habe. Feldmann jedoch setzte sich über das Veto des Koalitionspartners hinweg. „Die Fahrpreise werden vom RMV-Aufsichtsrat und nicht von der Frankfurter CDU beschlossen“, sagte er.

Fahren zum halben Preis

Nicht umstritten sind hingegen Neuerungen beim vorerst nur für Testkunden verfügbaren entfernungsabhängigen Tarif „RMV smart“. Schon zum 1. Oktober werden Grund- und Kilometerpreis um rund acht Prozent gesenkt. Noch günstiger fährt, wer sich für das Modell „Smart 50“ entscheidet. Für 5 Euro monatlich bekommt man sämtliche Tickets zum halben Preis – und kann sogar noch bis zu vier Personen ebenfalls zum vergünstigten Tarif mitnehmen. „Damit sind wir sehr konkurrenzfähig zum Auto“, sagte Ringat.

Noch nicht gelöst ist das Problem der hohen Sprünge im Normaltarif bei Fahrten über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg, etwa von Frankfurt nach Offenbach. Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU), Vizechef des Aufsichtsrates, kündigte eine Lösung für das kommende Jahr an. Dann sollen Zwischenpreisstufen eingeführt werden.

Darüber hinaus denkt der RMV dem Vernehmen nach über weitere Angebote nach: So könnte es ein vergünstigtes Abendticket für Fahrten nach 19 Uhr geben. Im Gespräch ist auch eine zusätzliche Preisstufe, die Tickets für Fahrten in kleinen Städten wie Karben deutlich billiger machen würde. Seiten 2 und 15

Kommentare

  • RMV-Preise steigen um 1,5 Prozent
    geschrieben von sieglinde_lackner (105 Beiträge) am 14.09.2017 15:28

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    schon wieder Preiserhöhungen beim RMV?! Was ist das schon wieder?! Wo sind der Service, wo die Pünktlichkeit sämtlicher Bahnen?! Preis/Leistungsverhältnis ist mehr als desolat! Warum lassen alle Pendler sich das gefallen?! RMV brüstet sich auch noch damit: "nur" 1,5% an Erhöhungen! RMV gehört ein ordentlicher Denkzettel verpasst, dass ihm hören und sehen vergeht! Diese Organisation ist alles andere als kundenfreundlich! Hinzu kommt noch, dass auch viele Senioren auf Fahrzeuge angewiesen sind! Renten sind ohnedies mehr als miserabel! und jetzt schon wieder eine Preiserhöhung?! Deutsche Ämter/öffentliche Einrichtungen werden stets kälter und rigider! Wo bleibt das von allen öffentlichen Verantwortlichen dauernd viel gepriesene menschliche Miteinander?! Fazit: Pendler werden für dumm verkauft und Papier ist geduldig wenn nur Worthülsen auf ihm stehen! Mündigkeit der Reisenden/Bürger - weit gefehlt!
    Sieglinde Lackner Bad Soden Taunus
    14.9.17

  • RMV und FNP, zwei Kürzel, beliebig austauschbar
    geschrieben von M_Rohde (10 Beiträge) am 13.09.2017 23:08

    "Nur" 1,50%. Liegt immer noch weit über der von unserer Regierung geschönten Inflationsrate und weit über dem, was der durchschnittliche Arbeitnehmer an Gehaltserhöhung netto am Ende des Monats auf seinem Konto überwiesen bekommt. Die Dreistigkeit und Verdummung, die der RMV seinen "Kunden" zumutet und die unkritisch von der FNP als unternehmerische Erfolgsstory ausposaunt wird, ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit. Aber was soll man von dieser Zeitung erwarten, die mittlerweile ein ähnlich trostloses journalistisches Niveau erreicht hat wie die Frankfurter Rundschau? Die FNP ein Musterbeispiel, wenn objektiver und kritischer Journalismus mit Gefälligkeitsjournalismus verwechselt wird.



Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Wie viele Tage hat der Januar?: 

Weitere Artikel aus Politik

ARCHIV - Plakate unterschiedlicher Parteien bestimmen am 18.08.2017 in Berlin das Bild in den Straßen Kreuzbergs. Vor der Bundestagswahl in vier Wochen kämpfen die Parteien in Brandenburg gegen die Zerstörungswut. (zu "Plakatierungswellen gegen Zerstörer" vom 26.08.2017) Foto: Wolfgang Kumm/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Berlin
|
Bundestagswahl

Wahlkampf: Am Bürger vorbei

Weitere Artikel aus Politik

Gegen Raser können Polizei und Justiz künftig schärfer vorgehen.
Berlin
|
Bundesrat

Härtere Strafen für Raser

Eine Hallenübersicht von Jaguar, Land Rover und Ferrari, aufgenommen am 13.09.2017 bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main (Hessen). Vom 14. bis 24.September präsentieren Hersteller auf der weltgrößten Autoshow ihre Neuheiten. Foto: Uli Deck/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Frankfurt
|
Bilanz

Absturz der IAA bleibt aus

Rubrikenübersicht