20.05.2017 03:30 | Dieter Hintermeier

Diplomat macht Karriere: Kent Logsdon ist der höchste US-Vertreter in Deutschland

Frankfurt/Berlin Nachdem Donald Trump US-Präsident wurde, gab es auch im Diplomatencorps Personalrochaden. In Deutschland führt derzeit Kent Logsdon interimsweise die Amtsgeschäfte, die normalerweise einem Botschafter obliegen.

Für Kent Logsdon sind die deutsch-amerikanischen Beziehungen in jeder Hinsicht gefestigt.
Für Kent Logsdon sind die deutsch-amerikanischen Beziehungen in jeder Hinsicht gefestigt. Bild: Salome Roessler

Seine guten Beziehungen zu Frankfurt macht Kent Logsdon an einem simplen elektronischen Brief deutlich. „Ich habe kürzlich eine E-Mail von der Lufthansa bekommen. Darin wurde mir mitgeteilt, dass meine Lieblingsstrecke Berlin-Frankfurt sei“, sagt der Geschäftsträger der US-Botschaft in der deutschen Hauptstadt mit einem kleinen Schmunzeln. Für Logsdon ein unzweifelhaftes Indiz, dass er nachweislich sehr oft in Frankfurt zu Besuch ist.

Das mag auch damit zusammenhängen, dass in der Stadt am Main eines der weltweit wichtigsten und größten Generalkonsulate der USA beheimatet ist. Nur in ganz wenigen US-Botschaften wird mehr Personal beschäftigt als in Frankfurt.

Logsdon, seit rund 30 Jahren im diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten weltweit im Einsatz, kann heute gemeinsam mit seinem „Boss“, Donald Trump, auf ein kleines Jubiläum zurückblicken. Seit genau vier Monaten sind beide in Amt und Würden. Trump als US-Präsident und der Gesandte Logsdon als Interims-Botschafter.

Die Aufgabe gefällt

Logsdon hat in Berlin die Position von John B. Emerson übernommen, der nach dem Amtsantritt von Donald Trump seinen Posten als Botschafter räumen musste. „Meine neue Aufgabe bringt viel Verantwortung und viel Ehre mit sich“, sagt Logsdon. Als „Nummer 2“ in der Botschaft war es seine wichtigste Aufgabe, dass die Koordination zwischen der Berliner Botschaft und den US-Konsulaten in München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und Leipzig reibungslos funktionierte. Als Interims-Botschafter kommen für Logsdon jetzt auch vermehrt repräsentative Pflichten hinzu. Gerne erinnert er sich daran, dass er kürzlich in der berühmten Eisenacher Georgenkirche anlässlich des 500-jährigen-Reformationsjubiläums einen Chor aus Iowa vorgestellt hat. Das gefällt Logsdon an seiner Aufgabe: Er lernt sehr viele unterschiedliche Menschen kennen. Auch Kanzlerin Angela Merkel gehört dazu. „Beim Staatsbesuch der Kanzlerin bei Präsident Trump in Washington durfte ich auch dabei sein“, berichtet der Diplomat. Während die Öffentlichkeit von diesem Besuch nur Trumps „verweigerten Handschlag“ gegenüber der Kanzlerin wahrgenommen habe, erinnert sich Logsdon an ein harmonisches Treffen der beiden Staatsoberhäupter.

Trumps Mann in Berlin weiß, dass er derzeit einen der wichtigsten Posten im diplomatischen Dienst der USA inne hat. „Als Botschafter repräsentiere ich die USA“, sagt er nicht ohne Stolz. Logsdon muss dafür Sorge tragen, dass seine „Kollegen in Washington“ immer wissen wie das große Partnerland Deutschland „tickt“. Für Logsdon ist das deutsch-amerikanische Verhältnis trotz aller Unkenrufe intakt und stark. Das belegten für ihn auch die zahlreichen Telefongespräche, die Kanzlerin Merkel und Präsident Trump geführt hätten.

Auch auf der wirtschaftlichen Ebene geht der Diplomat weiter von einer starken Bindung zwischen den USA und Deutschland aus. „Der freie Handel ist wichtig, aber er darf nicht unfair sein“, sagt er. Wenn festgestellt werde, der eine oder andere Partner mache einen „schlechten Deal“, sollte das korrigiert werden.

Ins Gespräch kommen

Doch auch „Profaneres“ gehört zu Logsdons Aufgaben. So kümmert er sich als Botschafter beispielsweise auch um die Belange von amerikanischen Studenten, Geschäftsleuten und Touristen.

Logsdon weiß, dass die Übergangszeiten zwischen zwei Präsidenten „schwierig“ sein können. Vielleicht sei die jetzige „Zwischenzeit“ vielleicht sogar noch etwas schwieriger. Trotzdem habe sich seit der Amtsübernahme durch Trump für die Berliner Botschaft nicht viel verändert, sehe man von der Ablösung des Botschafters Emerson ab. „Unsere Arbeit geht weiter, wir machen unseren normalen Job“, so Logsdon.

Normal soll es für ihn im Berufsleben aber nicht weitergehen. Logsdon hat noch Ambitionen, über die Übernahme eines Botschafters-Postens würde sich der Familienvater freuen, der mit einer Diplomatin verheiratet ist. Hier scheint die Statistik für ihn zu sprechen. „Von den Botschafter-Posten der USA sind rund 70 Prozent mir Karrierediplomaten besetzt und circa 30 Prozent haben einen politischen Background“, rechnet Logsdon vor.

Politisch wünscht sich der US-Diplomat, dass die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU „gut ausgehen“ und weiterhin „gute Beziehungen“ zwischen beiden Parteien bestehen werden. „Für Deutschland ist die Integration der vielen Flüchtlinge, die 2015 und 2016 ins Land gekommen sind, die größte Herausforderung für die nächsten Jahre“, so Logsdon. Hier biete die USA den Deutschen auch Hilfestellungen an. Sei es auf dem Gebiet der „Willkommenskultur“ oder der „Sicherheit“. Auch der aufkeimende Populismus in Deutschland und Europa treibt Logsdon um. Hier gibt er den Parteien den Rat, mit den Menschen, die sich zurückgelassen fühlen, ins Gespräch kommen. Privat hängt das Herz von Logsdon und seinen beiden Kindern am Fußball. Sein 15-jähriger Sohn ist glühender Fan von Hertha BSC Berlin und seine 20-jährige Tochter spielte selbst einmal Fußball. Klar, dass die Familie des Öfteren im Berliner Olympiastadion anzutreffen ist, um die Hertha anzufeuern. Nur heute, beim Saisonfinale, gegen Bayer Leverkusen, geht es nicht. Wichtige Angelegenheiten in der Botschaft verhindern dies. „Eine Kollege heiratet an diesem Tag“, lacht Logsdon.

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