11.08.2017 17:51 | Von Julia Naue, dpa

Wetterextreme in Europa: Ministerin schwer verletzt

Berlin Die einen kämpfen mit Wind und Regen, andere ächzen unter Hitze. Das Wetter in Europa bietet derzeit Extreme: In Italien stehen Campingplätze unter Wasser, in Portugal brennen Wälder.

Die brandenburgische Sozialministerin Diana Golze ist im Urlaub schwer verletzt worden.
Die brandenburgische Sozialministerin Diana Golze ist im Urlaub schwer verletzt worden. Bild: Patrick Pleul

Heftige Unwetter haben im Norden Italiens Campingplätze unter Wasser gesetzt, das Stromnetz lahmgelegt und Bäume entwurzelt.

Bei starkem Wind und heftigem Regen wurden mehrere Menschen verletzt, darunter die brandenburgische Sozialministerin Diana Golze (42). Die Linken-Politikerin wurde während eines Urlaubs am Donnerstagnachmittag auf einem Campingplatz in Norditalien von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt.

Auch in anderen Ländern Europas wüteten Unwetter. In Deutschland erwarten die Meteorologen nach viel Regen in letzter Zeit einen sonnigen Start in die kommende Woche. Am Wochenende sei nur vereinzelt mit Schauern zu rechnen. Im südlichen Niedersachsen könnten allerdings wieder Flüsse über die Ufer treten. Im Süden Europas hingegen macht den Menschen weiter die Hitze zu schaffen.

Ein Überblick:

- Italien: Am Donnerstag waren heftige Unwetter mit starkem Wind, Regen, Hagel und Gewitter über Norditalien hinweggezogen. Campingplätze an der Adriaküste nahe Venedig wurden unter Wasser gesetzt, Bäume stürzten um. Am Freitag waren in der Region Friaul-Julisch Venetien zunächst noch etwa 10 000 Kunden von einem Stromausfall betroffen, der am Donnerstagabend bis zu 70 000 betroffen hatte. Rund 500 Techniker waren in der Region, die an der Grenze zu Österreich und Slowenien liegt, im Einsatz, um die Störung zu beheben. Auch der ADAC berichtete von betroffenen Campingplätzen im Großraum Venedig und am Gardasee. Umgestürzte Bäume und Hagel beschädigten Autos und Wohnwagen zum Teil schwer. Kurz vor dem Feiertag Ferragosto am Dienstag (15. August) sind nicht nur viele Touristen in Italien, sondern auch Italiener in den Ferien: Viele Werkstätten haben bereits vor dem Wochenende geschlossen. Deshalb müssten Betroffene mit langen Wartezeiten rechnen, hieß es vom ADAC.

- Österreich: In der Nacht zum Freitag regnete es wieder heftig. Der Wind zog nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde durchs Land. Die Feuerwehren waren wegen Schlammlawinen, umgestürzter Bäume und überfluteter Straßen im Einsatz. Bahnverbindungen wurden unterbrochen. Österreich kämpft seit knapp einer Woche mit Unwettern.

- Ungarn: Heftige Stürme fegten in der Nacht über das Land hinweg. Mehr als 100 000 Haushalte blieben ohne Strom, die Zugverbindungen ins benachbarte Österreich wurden unterbrochen. In der Ortschaft Kenez (Bezirk Vas) begrub am Donnerstagabend ein Hausdach ein Auto unter sich. Der im Fahrzeug sitzende Fahrer wurde getötet. 

- Tschechien: Die tschechischen Feuerwehren rückten nach eigenen Angaben bis Freitagvormittag mehr als 700 Mal aus, um umgestürzte Bäume zu beseitigen, beschädigte Dächer abzusichern und Keller auszupumpen. Rund 110 000 Haushalte waren in der Region Südmähren vorübergehend ohne Strom, weil Hochspannungsleitungen beschädigt wurden. Wegen Schäden an der Stromversorgung kam es im Bahnverkehr im Ostteil Tschechiens teilweise zu mehrstündigen Verspätungen.

- Slowakei: Abgerissene Dächer und umgestürzte Bäume waren die Bilanz einer stürmischen Nacht. In der westslowakischen Stadt Malacky mussten Dutzende Familien ihre Wohnungen verlassen, weil die losgerissene Dachkonstruktion einer Wohnhausanlage die Statik des ganzen Gebäudes bedrohte. Zugstrecken und Straßen waren blockiert.

- Portugal: Den Portugiesen macht die Hitze weiter zu schaffen. Brennende Wälder halten die Feuerwehr in Atem. Mehr als 2100 Feuerwehrleute waren am Freitag im ganzen Land im Einsatz, um mehr als 170 Brandherde zu bekämpfen, wie der Zivilschutz in Lissabon mitteilte. Dabei wurden 680 Fahrzeuge und 15 Flugzeuge eingesetzt.

- Griechenland: Auch in Griechenland ist Hitze ein Thema. Allerdings soll sich das Wetter am Wochenende ändern. Dann drohen in manchen Regionen Stürme und Gewitter, es sei sogar mit Hagel zu rechnen, hieß es beim staatlichen Wetterdienst. In weiten Teilen des Landes herrschen mehr als 35 Grad. Auch windig wird es vielerorts - die heißen Böen sind allerdings der Alptraum der griechischen Feuerwehr, die landesweit gegen immer wieder neue Busch- und Waldbrände kämpft.

- Serbien: In Serbien hielten die Meteorologen auch am Freitag die höchste, rote Wetterwarnstufe aufrecht mit erwarteten bis zu 40 Grad.

- Bulgarien: Die aktuelle Hitzewelle hat das Land weiterhin fest im Griff. Es herrscht Brandgefahr. Deutlich kühler soll es erst in der Nacht zum Sonntag werden. Dann aber drohen Stürme mit Hagel.

(Von Julia Naue, dpa)

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