18.05.2017 03:30 |

„Alan Parsons Live Project“ in Frankfurt: So hinreißend versponnen wie damals

In der ausverkauften Frankfurter Alten Oper liefert das „Alan Parsons Live Project“ einen überwältigenden Konzertabend.

Meister Alan Parsons bearbeitet die Akustische.
Meister Alan Parsons bearbeitet die Akustische. Bild: Sven-Sebastian Sajak

Als der US-Vokalist P. J. Olsson zum Ende des zweistündigen Reigens den Namen jener britischen Prog-Rock-Legende ins Mikrofon ruft, die nur wenig Meter hinter ihm versonnen die Akustikgitarre drischt, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Lange her ist es, dass die im „Project“-Repertoire verteilten Pop-Ohrwürmer wie „Luciferama“, die Gesangshymnen „Don’t Answer Me“, „Eye In The Sky“ oder „Games People Play“ sich weltweit in den Charts tummelten.

Nach einem steilen Aufstieg 1976 mit dem Poe-Debüt „Tales Of Mystery And Imagination“ folgten neun weitere Konzeptalben. Die Urheber, Alan Parsons im Gespann mit seinem 2009 verstorbenen Partner Eric Woolfson, galten nach der Trennung 1987 zunächst als unverbesserlicher Anachronisten. Der Sinneswandel kam, als der Brite Steven Wilson das Genre Progressive Rock als Solist oder als Anführer der Formation „Porcupine Tree“ runderneuerte und weltweit für neuen Auftrieb sorgte. Plötzlich waren Alben wie „Pyramid“ (’78), „Eve“ (’79) , „Turn Of A Friendly Card“ (’80) oder „Eye In The Sky“ (’82) wieder hip, eine junge Generation interessierte sich für vermeintlich längst Abgehaktes. Dieses jüngere Klientel drückt auch den Altersdurchschnitt in der ausverkauften Alten Oper etwas.

Auf dem Programm steht im ersten Teil ein „Greatest-Hits“-Paket mit Perlen wie „Damned If I Do“, „Psychobabble“, „Time“ und „Limelight“. Gewiss, über die Auswahl kann man streiten. Doch die Geschmäcker sind nun einmal verschieden, gerade bei einer Band, die in ihrer Glanzzeit stilistisch so facettenreich an die Sache ging. Und die Golden Oldies sollen auch an diesem Abend möglichst authentisch klingen. Es gilt, exakt den Zeitgeist zu vermitteln, in dem die Songs entstanden. Soul, Funk und Disco spielten da eine dominante Rolle, die vor allem der begnadeten Rhythmussektion mit Schlagzeuger Danny Thompson und Bassist Guy Erez die Möglichkeit gibt, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Wie auf den Klassikeralben, wo zahllose Gastsänger für Abwechslung im stets stringenten Konzept sorgten, besetzt das Ensemble auch reihum den Leadgesangsposten: Sowohl P.J. Olsson als auch Saxofonist Todd Cooper, die Gitarristen Jeff Kollman und Dan Tracey sowie der Boss höchstpersönlich machen am Mikrofon jeweils eine gute Figur.

Alan Parsons Gesangseinsätze sind denn auch die einzigen Momente, da das vornehmlich im hinteren Bühnenbereich sich tummelnde 68 Jahre alte Multitalent ins Rampenlicht tritt. Kaum erstaunlich für einen Meister seines Faches, der seinen bevorzugten Ort stets hinter verschlossenen Türen im Studio sah. Exakt da begann ja auch die Karriere des Toningenieurs und Musikers, der später zum Komponisten und Produzenten avancierte. Im Oktober 1967, mit 18 Jahren, heuerte der Londoner in den legendären EMI Studios an, lernte unter der Ägide von „Beatles“-Produzent George Martin und Toningenieur Glyn Johns sein Handwerk von der Pike auf. Als Alan Parsons nach Arbeiten für die „Beatles“ („Abbey Road“), „Pink Floyd“ („The Dark Side Of The Moon“), „Cockney Rebel“ („The Psychomodo“) und diverser Nummer-eins-Hits sich mit Eric Woolfson 1975 selbständig machte, ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten: Das Debüt „Tales Of Mystery And Imagination“, leider nur mit dem herrlich versponnenen „(The System Of) Dr. Tarr and Professor Fether“ im aktuellen Repertoire vertreten, schlug 1976 wie eine Bombe ein.

Als Bonbon für die Anhängerschaft lässt das Oktett im zweiten Konzertteil komplett das Werk „I Robot“ (1977) folgen. Benannt nach Isaac Asimovs gleichnamigen Science-Fiction-Short-Stories, wühlen Ausnahmesongs wie „I Wouldn’t Want To Be Like You“, „Don’t Let It Show“, „Day After Day (The Show Must Go On)“ und „Total Eclipse“ sogar noch tiefer im Stileklektizismus als der Vorgänger. Zu zwei Zugabeblöcken mit fünf Songs lässt sich das „Alan Parsons Live Project“ noch hinreißen.

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