13.09.2017 03:30 |

Anlässlich des 60. Geburtstags des Musikers: Reinhard Kleist widmet dem Musiker Nick Cave eine ungewöhnliche Comic-Biografie

Anlässlich des 60. Geburtstags von Nick Cave veröffentlicht der Comiczeichner Reinhard Kleist zwei Bücher: die Hommage „Nick Cave – Mercy On Me“ und den Kunstband „Nick Cave And The Bad Seeds“.

Nick Cave haut seine Texte in die Schreibmaschine: So sieht Reinhard Kleist den Musiker und Schriftsteller in seinem Comic. Abb.: Carlsen
Nick Cave haut seine Texte in die Schreibmaschine: So sieht Reinhard Kleist den Musiker und Schriftsteller in seinem Comic. Abb.: Carlsen

Auffallen. Anderssein. Schocken. Darum geht es Nick Cave schon in frühen Jahren. Bloß nicht von Mittelmaß und Spießigkeit umarmt werden. Seine Identität als Künstler baut schnell auf die heldenhafte Pose des Rebellen. Die Flucht aus der Wirklichkeit wird als Teil der eigenen Legendenbildung konsequent betrieben. Beinahe manisch arbeitet Cave an seinen Geschichten als Reflexion seiner eigenen Geschichte. „Wenn ich schreibe, bin ich wie Gott, Herr über eine eigene Welt“, erklärt der auf dem Fußboden hockende Sonderling, um ihn herum das totale Chaos, und fährt fort: „Wenn ich aufhöre, ist da nur noch dreckige Realität.“

Deshalb ist der Musiker und Schriftsteller Nicholas Edward Cave, am 22. September 1957 in einem schwer aussprechbaren australischen Kaff geboren, in Reinhard Kleists Comic-Biografie „Nick Cave – Mercy On Me“ (Carlsen, 328 Seiten, 24,99 Euro) sehr oft an seiner Schreibmaschine zu sehen. „Tac Tac Tac“ hallt es dann durch die Seiten, wenn Cave wieder an seinen Texten für Songs oder Romane tippt. In dieser düsteren, morbiden, abgründigen Sphäre ist er der allmächtige Schöpfer, der seinem erschaffenen Personal übel mitspielt, den Daumen hebt oder, wie meistens, unheilvoll senkt.

Daran hat sich sein in Berlin lebender Comic-Biograf nun erinnert und ihn schnurstracks in dessen eigene blühende Fantasie aus Mord und Totschlag, Liebe und Hass, Schuld und Sühne hineingezogen.

Todgeweihte Hauptfiguren

Von einer typischen Biografie, die die Lebensdaten referiert und illustriert, kann deshalb auch nicht die Rede sein, Kleist konfrontiert den Künstler mit seinem Werk, lässt ihn darin tief ein- und abtauchen, so dass die faktische und die fiktionale Ebene absichtsvoll verschwimmen.

Sein mehr als 300 Seiten langer biografischer Comicroman mit zahlreichen Grusel- und Action-Effekten gliedert sich in fünf Kapitel, die alle mit einem Titel aus Nick Caves Werk überschrieben sind. Und das natürlich nicht grundlos, denn sie alle dürfen ihre Rolle spielen, die todgeweihten Hauptfiguren wie der junge Ausreißer aus „The Hammer Song“. Sie erzählen von sich und ihrem Urheber, dem „Schreibtischtäter“, und haben einige Fragen zum Sinn und Zweck ihrer Existenz. Im Kapitel „The Mercy Seat“ ist so der vom Song bekannte Gefangene auf seinem Weg zum elektrischen Stuhl zu beobachten, flankiert von Textzeilen, und plötzlich taucht Nick Cave auf, in einem Studio in London, gerade bei der Aufnahme eben dieses Songs, und er schreit Anweisungen in die Runde, ein egomanes Ekel, das nur in seiner Musik lebt. Sein Todeskandidat bittet um Gnade und weist darauf hin, dass er nichts dafür kann, was ihm angedichtet wurde, denn das habe mehr mit seinem Erfinder als mit ihm zu tun. Doch kein Erbarmen: Am Ende wird Cave in der Uniform des Vollzugsbeamten zur Tat schreiten und den entscheidenden Hebel umlegen.

Schlichtweg fulminant

Das Gesicht seines Protagonisten ist gezeichnet von unmenschlichem Leid. Der Mörder ist, wie in anderen Fällen im Band auch, eindeutig der Autor. Wie Reinhard Kleist das Leben und Werk von Nick Cave verarbeitet, ist schlichtweg fulminant. Dem außergewöhnlichen Ansatz stehen die außergewöhnlich gestalteten Panels in nichts nach.

Zeitgleich zum Comic erscheint auch ein Artbook („Nick Cave And The Bad Seeds“, Carlsen, 96 Seiten, 24,99 Euro), das (teilweise bunt getuschte) Skizzen, Zeichnungen und Illustrationen enthält aus den verschiedenen Lebensabschnitten.

Lesung und Konzert

Reinhard Kleist liest heute Abend im Frankfurter „Orange Peel“, 20 Uhr.
Ein Konzert gibt Nick Cave mit den „Bad Seeds“ am 7. Oktober in der Jahrhunderthalle Frankfurt, Beginn
ist um 20 Uhr

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