17.05.2017 15:48 | Von Carola Große-Wilde, dpa

Max Pechstein: Auf der Suche nach dem Malerparadies

Hamburg Ob in der Südsee, im italienischen Monterosso oder in den pommerschen Fischerdörfern Leba und Rowe: Zeit seines Lebens war Max Pechstein auf der Suche nach dem Malerparadies.

Max Pechsteins Arbeiten (l-r) „Die Löwenbändigerin” (um 1920), „Liegender Rückenakt” (1911) und „Junge mit Spielzeug” (1916). Foto: Christian Charisius Bilder >
Max Pechsteins Arbeiten (l-r) „Die Löwenbändigerin” (um 1920), „Liegender Rückenakt” (1911) und „Junge mit Spielzeug” (1916). Foto: Christian Charisius

bdquo;Mir kommt es vor, als sei ich jetzt erst sehend geworden”, schreibt Max Pechstein (1881-1955) in einem Brief aus Paris. Die französische Hauptstadt an der Seine übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf den jungen Maler aus.

Für das Arbeiten im Freien und im Atelier fand er Inspiration im Louvre und in Galerien, wo er den expressiven Kolorismus der „Fauves” kennenlernte, den er später den anderen „Brücke”-Künstlern näherbringen sollte. „Die in Paris entstandenen Werke zeigen deutliche Anklänge an van Gogh, dessen Bilder er hier zum ersten Mal sah”, erläuterte die Kuratorin Kathrin Baumstark am Mittwoch.

Unter dem Titel „Max Pechstein. Künstler der Moderne” zeigt das Bucerius Kunstforum erstmals das Schaffen des deutschen Expressionisten in einer Einzelschau in Hamburg. „Die Ausstellung zeigt, wie sich Pechsteins Stil mit jedem Aufenthaltsort veränderte und weiterentwickelte, darunter Paris, Berlin und Dresden, Nidden auf der Kurischen Nehrung, Monterosso in Italien, Palau in der Südsee und die ostpommerschen Orte Leba und Rowe”, sagte Baumstark. Dabei gebe die Schau mit rund 90 Werken, darunter 30 Gemälde, Einblick in alle Schaffensperioden des Künstlers zwischen 1906 und 1932. Eine Vielzahl der Werke stammt aus dem Brücke Museum Berlin, das auch Kooperationspartner ist, aber auch aus anderen Museen.

Nach der Begegnung mit Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel tritt Max Pechstein 1906 der Künstlervereinigung „Brücke” bei und lebt ab 1908 in Berlin. Zeigt das Gemälde „Eliasfriedhof in Dresden” (1906) nach Anklänge an den Impressionismus und den Jugendstil treten nun die Farben in den Vordergrund. Pechstein ist fasziniert von dem wilden Nachtleben in der Großstadt mit Tanz und Varieté wie das Gemälde „Tanz” (1909) eindrucksvoll zeigt. Auf der anderen Seite mag er das freie Leben auf dem einsamen Land mit der ungezwungenen Darstellung von Akten in der Natur. Sein Lieblingsmodell wird Charlotte Kaprolat, die er 1911 heiratete.

Ob als „Liegender Rückenakt” (1911), gleich fünf Mal tanzend („Blauer Tag”, 1911) oder als exotische Schönheit „Am Strand von Nidden”: Die Ausstellung zeigt seine künstlerische Muse gleich in mehreren Posen. Mit seiner Frau reist Max Pechstein 1914 - auf den Spuren von Paul Gauguin - auch in die Südsee zu den Palau-Inseln. „Pechstein war immer auf der Suche nach dem Malerparadies”, erklärt Baumstark. Mit der Reise erfüllt er sich den Traum, eine Zeit lang abseits von Eruopa zu leben und zu arbeiten und einen Lebensraum zu bewohnen, in dem Mensch, Natur und Kunst noch eine unzerstörte Einheit bilden.

Doch nachdem Japan Deutschland den Krieg erklärt hatte, besetzten japanische Truppen die deutsche Kolonie und nahmen die Pechsteins als Kriegsgefangene. Erst nach einem Jahr kehrten sie über Umwege nach Deutschland zurück. 1921, als das Fischerdorf Nidden zu Litauen gehörte, machte sich Pechstein auf die Suche nach einem anderen Ort für seine Sommeraufenthalte - und fand ihn in Leba, einem Küstenort im östlichen Hinterpommern. „Ab 1933 zog er sich immer wieder nach Leba und in das etwa 20 Kilometer entfernte Fischerdorf Rowe zurück, um der politischen Lage unter der NS-Herrschaft zu entfliehen”, sagte Kuratorin Baumstark. Seine Sehnsucht nach dem Paradies ist geblieben.

(Von Carola Große-Wilde, dpa)

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