12.08.2017 03:30 |

Unwetter-Folgen: Wie Hunde, Kühe, Reisetauben und Co. mit Hitze, Blitz und Donner zurechtkommen

Hochtaunus Das Wetter in diesem Sommer spielt verrückt. Trockenphasen wechseln mit Starkregen Hagel und Gewitter. Nicht nur für den menschlichen Organismus, sondern auch für Tiere ist das nicht leicht zu verkraften

Der Regen kommt zurück. Foto: Jan-Philipp Strobel/Archiv
Symbolbild

Die zurückliegenden Sommerwochen mit ihren Wetterkapriolen hatten es in sich: hohe Temperaturen, starke Gewitter mit Starkregen und Hagelschauern. Eine Situation, mit der viele Menschen gesundheitlich zu kämpfen hatten. Da sind die derzeit kühleren Temperaturen fast schon angenehm. Doch die Wetterlage hat auch der Tierwelt zugesetzt, denn es sind nur wenige Arten, die davon unbeeindruckt bleiben.

„Die Wohlfühltemperatur der Milchkühe liegt bei 15 bis 17 Grad“, sagt Frank Hammen, der auf dem Wehrheimer Oranienhof eine Hundertschaft der Rassen Holstein und Braunvieh hält. Die Witterung mit Temperaturen im 30-Grad-Bereich habe zur Folge, dass die Tiere weniger fressen und danach weniger Milch geben. Was jedoch schwerer wiegt, ist eine Vermehrung der Koli-Keime in den Stallungen: „Es drohen Euterentzündungen.“

Sauberkeit sei daher die oberste Maxime. Obwohl sich mit eintretender Schwüle die Futteraufnahme deutlich verringert, rät der Wehrheimer zur Bereitstellung von frischem Gras. Ein stark frequentierter Platz ist rund um die Tränke – „die Flüssigkeitsaufnahme steigt rasant“. Auf dem Oranienhof, wo heute noch ein guter Teil der hochtaunusweit verbliebenen 800 Milchkühe stehen, sind die Stalltore an heißen Tagen weit geöffnet. Luft soll zirkulieren, wenn in Reihen der milcherzeugenden Damen alles bedächtiger zugeht.

Es sind nur noch sieben Familien, die sich im hiesigen Kreis um die Haltung von Kühen und Kälbern verdient machen. Wer das wertvolle, flüssige Weiß noch erzeugt, wird Frank Hammen zustimmen: „Die Tage dürfen heiß sein, wenn daneben die Nächte deutlich abkühlen.“ Dann gehe es auch Nora, Renata und all den anderen Kühen besser. Dass die sommerlichen Spitzentemperaturen seit Jahren zunehmen, steht für den Fachmann vom Oranienhof jedenfalls außer Frage.

Eine Frage des Charakters

Kaum Ungemach bereitet die gewitternahe Zeit einem anderen, rundum beliebten Großwesen. „Die Pferde stellen sich auf der Koppel zusammen“, sagt Kerstin Petith vom gleichnamigen Reitstall in Ober-Erlenbach. Hier werden verschiedene Ponys und Großpferde seit Anfang der 1990er Jahre im Reitschulbetrieb eingesetzt. Wenn Wind und Donner nahen, zeigen die Rösser den Elementen die sprichwörtlich kalte Schulter – kehren ihnen den Rücken zu. „Sie suchen noch nicht einmal den Schutz unter Bäumen.“

Nervosität sei eine Frage des jeweiligen Charakters. Interessanterweise, so Kerstin Petith, hätten sich die jüngeren Pferde zuletzt gelassener gezeigt. „Und als Steppentiere halten sie die Hitze sowieso gut aus.“ Obwohl bei jedem Wetter geritten wird, sollen die Belastungen bei starker Erhitzung gering bleiben. Ihren steigenden Durst stillt die Herde im Übrigen eher in den frühmorgendlichen und spätabendlichen Stunden.

Auf einen bis anderthalb Liter Wasser pro Tag taxiert Gerhard Merx die Mindestmenge an Flüssigkeit, die größere Hunde – mit einem Gewicht zwischen 30 bis 40 Kilo – derzeit zu sich nehmen sollten. „Bei Zugabe von Trockenfutter“, so der Vorsitzende des Vereins für Deutsche Schäferhunde aus Oberstedten, „darf die Menge durchaus höher sein.“ Vermehrter Speichelfluss, sogar Atemnot, könnten auftreten, wenn Wärme, Schwüle und Gewitter eine unheilvolle Trias bilden würden. „Aber dies kann sich von Tier zu Tier unterscheiden.“ An hitzigen Tagen findet auf dem Gelände des 1975 gegründeten und 58 Mitglieder starken Vereins kein Trainingsbetrieb statt. „Die Hunde sind dann nicht willig“, sagt Gerhard Merx.

Mit Unruhe reagieren Vertreter von Canis lupus familiaris des Öfteren im Tierheim Hochtaunus. Blitz und Donner sind den versammelten Hunden selten willkommen. „Diejenigen mit der größten Schnauze kneifen dann am schnellsten den Schwanz ein“, erzählt Hajo Ettel, stellvertretender Leiter der Einrichtung. Es werde weniger gefressen, das nervöse Gebell und Herumlaufen nehme zu. Bei Gewitter ist der Einsatz von Tierheim-Mitarbeitern gefragt: „Wenn es knallt, machen wir alle Lichter an und beruhigen die Tiere.“ Ähnlich sei es in der Silvesternacht, wenn rundum das große Böllern stattfinde.

Katzen sind wie Schafe

Kein Vergleich also zu den anwesenden Katzen, die Ettel als „tiefenentspannt“ bezeichnet. „Die verkriechen sich und gut.“ Und ähneln damit dem Schaf, das sich ebenfalls selten aus der Ruhe bringen lässt. Unter Bäumen und Unterständen wird im Pulk der heiße Tag verbracht, die Futteraufnahme geschieht vorwiegend während der abgekühlten Stunden. Dass hier Ruhe nebst Vermeidung von Weidetrieb oder Umstallung angebracht ist, versteht sich von selbst.

Um „möglichst viel Ruhe an heißen Tagen“ in Bezug auf die Tierhaltung bittet auch das im Landratsamt beheimatete Amt für den ländlichen Raum. Mittels Technik soll den aufgestallten Tieren ausreichend Kühlung verschafft werden: Ventilatoren, Zuluftkanäle und Berieselungsanlagen sind mögliche Hilfsmittel.

Keine Orientierung

Während die Rassehühner des auf 34 Parzellen tätigen Geflügelzuchtvereins 1908 Weißkirchen jede heiße Sommerphase in ihren Ställen aussitzen, können atmosphärische Störungen lebensbedrohend für die in der Luft befindlichen Reisetauben werden. „Bei Gewittern verlieren sie auf dem Flug die Orientierung und finden nicht mehr nach Hause“, so Mustafa Scherre, Vorsitzender des Reisetaubenvereins Taunusbote Oberursel. In einem Sturm könnten Vögel „verblasen“ werden. Kurzum: „Solche Wetterlagen sind gefährlich, es kann zu Verlusten kommen.“

Die Mitglieder des seit mehr als 100 Jahren bestehenden Vereins nehmen dann mit ihren Tauben an keinen Flugwettbewerben teil. „Die Saison“, so Scherre, „ist jetzt sowieso vorbei – für die Tiere beginnt nun die Zeit der Mauser.“

Kurz vor dem Ende ist auch die sommerliche Imker-Saison. „Jetzt klingen die Monate der Tracht aus, für die Bienen gibt es draußen nicht mehr so viel zu holen“, erläutert Vorsitzender Thomas Schmid. Wenn dazu noch ein Gewitter im Anmarsch ist, heißt es im Bienenzuchtverein Obertaunus: „Weg vom Kasten“. Die sonst so friedfertigen Hautflügler sind dann gereizt – was sich durch lautes, aufgeregtes Summen kenntlich macht. Bei starkem Wind ist das Ausfliegen sehr eingeschränkt, das Volk drängt sich im Stock. Was die Sache ebenfalls nicht erleichtert.

Hitze dagegen macht der Honigbiene nichts aus, seit jeher ist die Temperatur im Wabengeviert hoch. „Wenn es doch einmal auf über 40 Grad ansteigen sollte, bringen sie Wasser in den Stock und verteilen es per Flügelschlag.“ Da arbeite das emsige Völkchen wie eine Klimaanlage.

Zu wenig Frischwasser

Das angemessene Klima ist derzeit ein existentielles Thema auf dem oberhalb von Oberstedten gelegenen Forellengut. „Die Situation ist ganz schlecht“, sagt Besitzer Rolf Herzberger. Noch niemals zuvor sei in den vergangenen Tagen und Wochen so wenig Frischwasser verfügbar gewesen. Weil der Wasserhaushalt infolge trockener Jahre seit längerem gestört ist und immer mehr kostbares Nass in städtische Netze abfließt, sind die das Gut speisenden Bäche zu bloßen Rinnsalen verkommen.

Für Forelle, Rotfeder oder Bitterling in ihren Teichen sind die ansteigenden Außentemperaturen mitsamt sich erwärmendem Wasser mehr als schädlich. Zu wenig frischer Wasserzufluss bedeutet dazu wenig Sauerstoffgehalt – was ein großes Sterben innerhalb des Bestandes nach sich ziehen kann. „Wir sind jede Nacht draußen, um zu pumpen.“ Ohne Belüftungsgeräte sei der Betrieb in den heißeren Wochen nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die rund 40 Teiche innerhalb des fünf Hektar messenden Geländes haben sich zeitweilig bis zu 25 Grad aufgeladen – beileibe keine angemessene Lebensgrundlage für die schwimmenden Wirbeltiere. Um das Ärgste zu vermeiden, haben Rolf Herzberger und sein Team die Futtergaben reduziert und Umquartierungen vorgenommen. Strategien, die im Oberstedtener Wald mittlerweile zu einem sommerlichen Dauerthema geworden sind.

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