17.07.2017 03:30 | Alexander Schneider

Kosten für Bewirtschaftung des Waldes müssen eins zu eins bezahlt werden: Forst im Hochtaunus bringt Preisanstieg ins Rollen

Hochtaunus Die Kommunen im Hochtaunuskreis müssen sich darauf einstellen, künftig mehr Geld ans Forstamt zu überweisen, wenn dieses ihren Wald beförstert. Die Tarife steigen, weil Hessens Finanzminister es so will.

Forstwirtschaft lässt sich heute betriebswirtschaftlich fast nur noch mit schwerem Gerät betreiben. Ein Beispiel ist dieser 420 000 Euro teure, 286 PS starke, 21 Tonnen schwere Rückezug,  der auch hier im Wald bei Weilrod im Einsatz ist.
Forstwirtschaft lässt sich heute betriebswirtschaftlich fast nur noch mit schwerem Gerät betreiben. Ein Beispiel ist dieser 420 000 Euro teure, 286 PS starke, 21 Tonnen schwere Rückezug, der auch hier im Wald bei Weilrod im Einsatz ist.

Hessen Forst, als Landesbetrieb an die selbstverordnete Schuldenbremse gebunden, hat seine Leistungen bei der Bewirtschaftung kommunaler Wälder bisher „unter Wert“ verkauft. Damit ist nun Schluss. Der Landesetat soll bis 2019 ausgeglichen sein, bei künftig kostendeckenden Beförsterungsentgelten. Das heißt: Städte und Gemeinden, die ihren Wald von dem Landesbetrieb bewirtschaften lassen, werden dafür deutlich mehr Geld bezahlen müssen.

Das Delta zwischen Rechnung und Kostendeckung ist relativ breit. Eine Tariferhöhung auf einen Sitz möchte Hessen Forst seinen Kunden aber nicht zumuten. Deshalb sollen die Kosten behutsam angehoben werden. Bis zum Jahr 2025 jährlich um vier Prozent. Freiwillige Leistungen werden auf den Prüfstand gestellt, Vollkostenrechnung also. Der Hessische Städte- und Gemeindebund hat die Rathäuser bereits schonend darauf vorbereitet. Zurzeit finden in den Forstämtern Gespräche zwischen Amtsleitung und Bürgermeistern statt.

Der Leiter des Hessischen Forstamtes Weilrod, Bernd Müller, sagte gegenüber dieser Zeitung, erste Stellung-nahmen aus den Rathäusern lägen bereits vor. Die Kämmereien hätten allerdings meist nur fachliche Fragen. Grundsätzlich werde das Prinzip der Kostendeckung akzeptiert. Müller rechnet deshalb auch nicht damit, dass die Kommunen nun „reihenweise austreten“, um ihre Wälder künftig selbst zu bewirtschaften. Er räumt ein, dass die Bemühungen seines Hauses um Kostendeckung zeitlich mit einem in Baden-Württemberg schwelenden Kartellrechtsverfahren erfolgen, sieht hier aber keinen Zusammenhang. Die Wald-, aber auch Vermarktungsstrukturen der beiden benachbarten Bundesländer seien nicht vergleichbar.

Keine Subventionierung

Gelassen gibt sich auch Ralf Heit-mann, Chef des Hessischen Forstamts Königstein. Er sieht aber durchaus einen Zusammenhang: Mit der bislang politisch gewollten nicht kostendeckenden Beförsterung subventioniere das Land die Kommunen, was auf dem freien Markt und vom Kartellamt als Wettbewerbsverzerrung gesehen werde. Jedoch werde bei Hessen Forst schon lange über die Kostenstruktur diskutiert, nicht erst seit dem Kartellrechtsverfahren.

Eine Kündigungswelle erwartet Heitmann aber auch nicht. Jedoch würden Kommunen je nach Ausrichtung ihrer Wälder von der Vollkostenrechnung unterschiedlich hart getroffen. Künftig werde es drei Rechnungen geben – eine für die Fläche, eine für den Holzeinschlag und eine für den Verkauf. Da treffe es Kommunen, die ihren Wald als Wirtschaftswald sehen, härter als jene, denen er als Erholungsraum wichtiger ist. Auch mache es dann einen Unterschied, ob man mehr Nadel- oder mehr Laubholz habe. Der Schwerpunkt bei der Holzernte liege nun mal beim Nadelholz. Heitmann wie auch Müller vertreten die Auffassung, dass sich Hessen Forst mit seinem Angebot an die Kommunen nicht verstecken muss, „wir bieten ein Rundumsorglospaket“, sagt Heitmann. Zugleich betont er, dass es weiter kostenlose Dienstleistungen geben wird, wenn sie der „allgemeinen Daseinsvorsorge“ dienen. Das Erstellen der Forstwirtschaftspläne und die Beratung bleiben weiter kostenfrei.

90 Prozent bei Hessen Forst

Es gibt 412 Kommunen in Hessen, gut 90 Prozent geben ihre Wälder in die Obhut der Forstämter. Nach dem Hessischen Waldgesetz ist die Beförsterung kommunaler Wälder der Regelfall. Grundsätzlich kann die Betreuung zwei Jahre im Voraus gekündigt werden. Bad Homburg, Oberursel und Usingen sind diesen Schritt bereits gegangen. Glashütten denkt schon lange über alternative Beförsterungsmodelle nach – auch in Kooperation mit anderen Kommunen.

Bisher wurden die Rechnungen für alle Dienstleistungen im Juni ver-schickt. Das wird künftig anders sein. Berechnet wird zum Sommer ein auf die Fläche des Waldes bezogener Betrag. Wer viel Wald hat, zahlt mehr, wer wenig hat, weniger. Weilrod mit 3000 Hektar Gemeindewald gehört sicher zu den Spitzenzahlern. Der Holzverkauf wird dann quartalsweise abgerechnet.

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