15.11.2014 03:00 | Ulrich Boller

Ein farbenreicher Abend

Oberursel Farbig und frisch gestalteten die Brüder Alexej und Nicolai Gerassimez ihre Soiree auf der Bühne der Stadthalle. Die Kombination von Klavier und Schlagzeug sprühte regelrecht Funken.

Töne entmaterialisieren sich zum bloßen Geräusch, zum Kratzen, Reiben, Schlurfen. Neuer Ansatz aus der Stille heraus. Ein Stöhnen, Seufzen, Klagen wird vernehmbar. Erneute Wandlung der Klangfarbe zu pastellenen Tupfern, leicht, durchsichtig, aber auch gläsern, zerbrechlich. Steigerung schließlich zu metrisch unerbittlich hämmernden Schlägen, fast metallisch im Charakter, obgleich hölzerne Klangstäbe geschlagen werden. Einen weiten Fächer von Tönungen schlug Alexej Gerassimez auf Vibraphon und Marimbaphon auf, teils solistisch, teils ergänzt oder kontrastiert von seinem Bruder Nicolai am Klavier – das erlebte das Publikum am Donnerstagabend in der Stadthalle beim Konzert „Percussion meets piano“, zu dem der Kulturkreis eingeladen hatte.

Die Variationen des 1987 geborenen Schlagzeugers über eine substantiell eher dürftige Komposition wie Astor Piazzollas „Libertango“ beleuchteten das Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln, gewannen ihm unter wechselnden Helligkeitsstufen neue Nuancen ab. Weitere starke Akzente setzten die Beschäftigungen Fazil Says und Toru Takemitsus mit der berühmten 24. der Paganini-Capricen. Hier zeigte sich das Brüder-Duo als technisch gewandt und dialogstark, sowohl mit der Musik als auch untereinander. Es entspann sich ein fesselndes Wechselspiel vor dem zumeist aufmerksamen Publikum in der Stadthalle.

Handwerklich sauber

Quirlig vorwärtsdrängend hatte die abwechslungsreiche Vortragsfolge begonnen. Der dritte Satz, „Lively“ (lebhaft) überschrieben, des „Marimba Concerto“ von Paul Creston gefiel. Nicht zuletzt der handwerklichen Sauberkeit und der lebendig, eben nicht mechanisch, perlenden Girlanden wegen. Etwas verirrt wirkte Bachs Präludium und Fuge D-Dur inmitten der vorwiegend dem 20. Jahrhundert zuzuordnenden Kompositionen. Gleichwohl konnte man auch an dem schlank, leggiero ausgespielten Satzpaar seine Freude haben.

Musik zählte in vormodernen Zeiten zu den mathematischen Künsten, weil auf Relationen und Proportionen von Zahlen aufgebaut. Wiederfinden lässt sich das jedoch auch in den Kompositionen des ausgebildeten Architekten Iannis Xenakis. Sein „Rebonds B“ für Trommeln zeigte unter Alexej Gerassimez’ präzisen Schlägen diesen Sinn für metrische, rhythmische und dynamische Verhältnisse. Glänzend der Schluss des farbenreichen Abends. Dem Boogie aus Richard Michaels Jazz-Suite im reizvoll „schiefen“ Siebenvierteltakt folgte noch der Rausch des „Hummelflugs“ in meisterhaft flottem Tempo. Beide Musiker agierten als gleichwertige Partner, wenngleich das Schlagzeug in der quantitativen Wahrnehmung leicht im Vorteil schien.

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