20.04.2017 03:00 | alv

Hochtaunusschule: Die Oberurseler HTS ist jetzt eine "SBS": Was bedeutet das?

Oberursel Seit Jahresanfang ist die Hochtaunusschule eine „Selbstständige Berufliche Schule“ (SBS). Das bedeutet mehr Entscheidungsfreiheiten bei Personalfragen, der internen Organisation und mehr Mittel vom Kultusministerium. Was dieser neue Status für die Schule heißt, hat TZ-Mitarbeiterin Gabriele Calvo Henning beim Leiter der Schule, Dr. Markus Büchele, nachgefragt.

Schulleiter Dr. Markus Büchele zeigt die Steuerungsgeräte, an denen Schüler computergestützt einzelne Fertigungsschritte programmieren können. Sie sind für ihn ein Symbol der neuen Selbstständigen Berufsschule, in der an vielen Stellschrauben flexibel gedreht werden kann, so dass für Lehrer und Schüler ein produktives Arbeitsklima herrscht.
Schulleiter Dr. Markus Büchele zeigt die Steuerungsgeräte, an denen Schüler computergestützt einzelne Fertigungsschritte programmieren können. Sie sind für ihn ein Symbol der neuen Selbstständigen Berufsschule, in der an vielen Stellschrauben flexibel gedreht werden kann, so dass für Lehrer und Schüler ein produktives Arbeitsklima herrscht. Bild: Jochen Reichwein

„Projekte Elektrotechnik“ steht an der Tür eines der Schulräume an der Hochtaunusschule (HTS), die von rund 1400 Schülern besucht wird. Schulleiter Dr. Markus Büchele geht direkt auf ein fünfteiliges Gerät zu, das so groß ist wie ein Esstisch. An dieser speicherprogrammierbaren Steuerung können Schüler computergestützt einzelne Fertigungsschritte programmieren, ablaufen lassen und schließlich überprüfen. Für den Schulleiter ist diese Steuerung nicht nur ein wichtiges Gerät für die technische Ausbildung. Zugleich sei sie ein gutes Beispiel für den Schulbetrieb, „denn hier arbeiten separate Instrumente, die zusammen mit einem guten Ergebnis funktionieren sollen“.

Der Kern eines gut funktionierenden Lehr- und Lernbetriebes sei dabei die Kommunikation. Die will Büchele mit einem internetbasierten System auf neue Füße stellen, in dem in virtuellen Klassenräumen Schüler einen schnellen Zugriff auf Lernmaterialien haben. Besonders wichtig sei diese neue Plattform für Lehrer, die sich so besser austauschen und Unterlagen für den Unterricht gemeinsam nutzen und weiterentwickeln können. „Denn als Lehrer sind wir keine Einzelkämpfer“, betont Markus Büchele den Teamgedanken.

Um diese und andere Vorstellungen zu verwirklichen, helfe der neue Status als „Selbstständige Berufliche Schule“ (SBS), die die HTS zu Jahresanfang vom hessischen Kultusminister erhalten hat, nachdem das dort eingereichte Konzept auf Zustimmung gestoßen ist. Im Kern bedeutet das, dass die HTS jetzt mehr Entscheidungsmöglichkeiten in Personalfragen, bei der internen Organisation und im Unterrichtsangebot hat.

Konkret heißt das, dass über den Pflichtunterricht hinaus etwa drei Lehrerstellen mehr zur Verfügung stehen. Damit können Stütz- und Förderkurse angeboten werden. Die seien auch nötig, so Büchele, weil die Schüler, die nach der zehnten Klasse zur HTS wechseln, etwa in technischen Fächern einen sehr unterschiedlichen Wissensstand haben. „Deshalb brauchen wir die Differenzierung, also unterschiedliche, an die jeweiligen Fähigkeiten angepassten Arbeitsaufträge, durch die sich dann alle weiterentwickeln können“, so Büchele.

Die Stellen dafür sind da, doch gibt es kaum Lehrer für technische Fächer – ein Problem, das die beruflichen Schulen deutschlandweit drückt. An der HTS sind derzeit 4,5 Stellen unbesetzt. Immerhin geht das für die Stellen vorgesehene Geld nicht verloren. Durch die Flexibilität in Budget- und Personalfragen fließt es in Lernmittel, in moderne Ausstattung, in Rohmaterialien oder in Fortbildungen. „Diese Freiheit zu haben, das ist jetzt neu“, sagt Büchele.

So soll für die Ausbildung der Pferdewirte ein neues großes Pferdemodell aus Kunststoff mit herausnehmbaren Organen angeschafft werden. Für die Schulband soll es außerdem neue Instrumente und Lautsprecher geben. Beides zusammen – Pferd und Musikequipment – werden mit 10 000 Euro zu Buche schlagen. Das Geld wird aus den zurzeit unbesetzten Stellen quasi umgeleitet. Auch das Qualitätsmanagement hat Büchele im Auge. Es sei eine Gruppe im Aufbau, die ein Qualitätshandbuch entwickelt, anhand dessen interne Strukturen überprüft und gegebenenfalls verändert werden können.

Die Kritik an der SBS, etwa von der Lehrergewerkschaft GEW, dass das Mehr an Selbstständigkeit unterm Strich eine größere Belastung für die Schulleitungen bei immer noch zu wenig Mitteln bedeute, sieht Büchele so nicht. Für ihn sei klar: „Wenn ich selbstständig bin, habe ich auch mehr Verantwortung.“ Er selbst habe die Aufgabe, „den Lehrern zu helfen, ihre Arbeit gut zu machen. Hier wird ein großer Teil der Lebenszeit verbracht. Deshalb geht es mir auch um einen persönlichen Mehrwert, damit jeder, die Lehrer, aber auch die Schüler, erkennen, dass es Sinn macht, hier zu sein“.

(alv)

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