12.10.2017 03:30 | Katja Schuricht

Wahrzeichen der Stadt Königstein: Das mächtigste „Schneckenhaus“ im Taunus

Königstein Sie ist eine der größten Burgruinen Deutschlands und bietet mit dem „Dunklen Bogen“ bald wieder die ideale Kulisse für eine gruselige Halloweenfeier. Aber auch sonst lohnt das Wahrzeichen der Stadt Königstein einen Aufstieg, um bei einer herbstlichen Erkundungstour allein schon das Panorama zu genießen.

Auch in ihrem seit 1796 ruinierten Zustand ist die Königsteiner Burg immer noch ein beeindruckendes Wahrzeichen hoch über Königstein.
Auch in ihrem seit 1796 ruinierten Zustand ist die Königsteiner Burg immer noch ein beeindruckendes Wahrzeichen hoch über Königstein.

Es ist vor allem die „grandiose Aussicht“, die selbst Kenner der Burg, wie es die Königsteiner Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann eine ist, immer wieder ins Schwärmen bringen. „Der Blick ist einfach wunderbar“, sagt Großmann-Hofmann.

Getoppt wird das 360-Grad-Panorama, wenn die Besucher den Burgturm erklimmen. „Der Turm ist während der Öffnungszeiten immer zugänglich“, informiert die Stadtarchivarin. Sie empfiehlt den Besuchern, die große Anlage – schließlich gehört die Königsteiner Burgruine zu den größten ihrer Art in Deutschland – einfach bei einem Rundgang auf sich wirken zu lassen. „Man kann sich einfach treiben lassen und kommt dennoch zum Ziel; denn die Burg ist wie ein Schneckenhaus angelegt. Man läuft hindurch und kommt automatisch zur Kernburg“, schildert sie.

Auf Felsen gebaut

Reizvoll sind nicht nur die vielen unterschiedlichen Ausblicke. „Es sind die vielen kleinen Gänge, die Verbindungen schaffen, die das besondere Etwas ausmachen“, meint die Historikerin und fügt hinzu: „Wer sich mit Burgen auskennt, wird von der Königsteiner Anlage begeistert sein – und das schon allein aus bautechnischer Sicht. Denn es ist beeindruckend, wie die Burg damals auf den Felsen gebaut worden ist“, betont sie.

Da die Königsteiner Burgruine jeder Menge Platz bietet, ist das geschichtsträchtige Gemäuer eigentlich auch der perfekte Platz für Veranstaltungen aller Art. Allein, ihren Ruf als Freilichtbühne für Theater und Musical hat die Festung mittlerweile eingebüßt.

Der große Aufwand und nicht zuletzt die hohen Sicherheitsauflagen haben Veranstalter zurückschrecken lassen. Geblieben sind heute vor allem das „Halloween-Festival“ (siehe unten) „Rock auf der Burg“, das große „Ritterturnier“ und natürlich das traditionelle Burgfest.

Um die Gründung der Burg Königstein, so die Stadtarchivarin, rankt sich die „Chlodwigsage“: „Dem Merowingerkönig Chlodwig (466 bis 511 nach Chr.) soll hier auf einem Felsen eine weiße Jungfrau erschienen sein. Sie sagte ihm den Sieg über die Alemannen im Zeichen des Kreuzes voraus“, berichtet sie. Chlodwig besiegte tatsächlich die Alemannen, kehrte zurück und baute auf dem Felsen eine Burg und im Tal eine Kirche, so Großmann-Hofmann. Soweit die Sage.

An der Handelsroute

„Die ältesten sichtbaren Mauerteile der Königsteiner Burg datieren vor 1215, dem Jahr, in dem Königstein zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.“ Diese Teile stehen in sogenanntem „Fischgrätmauerwerk“ im Süden und Westen der Anlage. „Vermutlich wurde die Burg im 11. Jahrhundert zur Sicherung der wichtigen Reichstraße Frankfurt – Köln erbaut“, erläutert die Frau vom Fach.

Die verschiedenen Herren über Königstein ließen unterschiedliche Baumaßnahmen durchführen. „Die Herren von Falkenstein (1255 bis 1418) errichteten die unteren Geschosse des Burgturms und den Palas. Die Herren (später Grafen) von Eppstein (1418 bis 1535) bauten die im Reichskrieg 1364 stark beschädigte Burg zur Residenz aus.“

Zu ihren Baumaßnahmen gehörten Gewölbeküche, Sternensaal, Burgkirche, Kutsche und vermutlich auch der Tiefbrunnen. Beate Großmann-Hofmann: „Unter Graf Ludwig von Stolberg blieb Königstein Residenz. Die Befestigung wurde allerdings mit Rondellen verstärkt.“ Von 1581 bis 1803 gehörte Königstein zum Herrschaftsbereich der Kurfürsten von Mainz. „Diese nutzten die Anlage nicht mehr als Residenz, sondern als Garnison und ließen sie zur Festung ausbauen“, berichtet sie. Im September 1796 sprengte ein französisches Besatzungskommando die Festung.

„Die Königsteiner nutzten die Ruinen danach als Steinbruch für den Wiederaufbau ihrer wenige Jahre zuvor abgebrannten Häuser“, erklärt Beate Großmann-Hofmann. Im 19. Jahrhundert erwarb Herzog Adolph von Nassau die Burgruine. „Dessen Tochter, Großherzogin Hilda von Baden, schenkte 1922 Burg und Burghain der Stadt Königstein.“

Ganzjährig geöffnet

Die Burg hat ganzjährig geöffnet, und zwar täglich von 10 bis 19 Uhr. Im Winter ist die Burg allerdings bei Glatteisgefahr geschlossen. Bei den Stadtführungen ist die Besichtigung der Burg immer mit im Programm. In diesem Jahr besteht noch drei Mal die Gelegenheit, daran teilzunehmen: am Sonntag, 22, Oktober, am Samstag, 18. November, und Sonntag, 3. Dezember. Treffpunkt ist jeweils um 15 Uhr an der Kur-und Stadtinformation. Die Teilnahme ist kostenlos.

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