15.07.2017 03:00 | Anke Hillebrecht

Vom 15. August an gehen 30 statt 25 Mädchen und Jungen in jede Gruppe: Betreuung in der Grundschule: Eltern müssen mehr bezahlen

Steinbach Die Kapazitäten des Betreuungszentrums an der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) stoßen an ihre Grenzen. Von August an werden 30 statt bisher 25 Kinder in eine Gruppe gehen. Und für die Eltern wird es teurer. Daran entfacht sich Kritik, doch Alternativen sind schwierig.

Im Betreuungszentrum helfen die Kinder bei der Zubereitung des – gesunden – Mittagessens.
Im Betreuungszentrum helfen die Kinder bei der Zubereitung des – gesunden – Mittagessens. Bild: Jochen Reichwein

Immer mehr Steinbacher Eltern wollen ihr Grundschulkind nach der Schule betreuen lassen. Weil die Schule bereits mit Blick auf sechs mögliche Gruppen im der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) angegliederten Betreuungszentrum gebaut worden ist, konnte bislang Zug um Zug eine weitere Gruppe eröffnet werden. Seit einem Jahr gibt es sechs Gruppen mit jeweils 25 Kindern. In diesem Sommer kamen erstmals so viele Anmeldungen fürs neue Schuljahr, dass aus Kapazitätsgründen nicht alle berücksichtigt werden.

Wollte man eine siebte Gruppe, muss man bauliche Veränderungen an der erst 2012 eingerichteten Schule vornehmen. „Das können und wollen wir nicht“, erklärt Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP). Deshalb hat der Magistrat der Stadt Steinbach nun mehrheitlich beschlossen, dass die Gruppengröße im neuen Schuljahr (Beginn: 15. August) von 25 auf 30 Kinder steigt und die Eltern rund 10 Prozent mehr Betreuungsgebühr zahlen müssen. Also doppelt ärgerlich für die Eltern, aber so will sich die Stadt einen Teil der Mehrausgaben wieder reinholen.

„Wir wussten bereits im Februar, dass 185 Betreuungsplätze gebraucht werden“, erklärt Hauptamtsleiter Steffen Bonk. Daher wurde jetzt reagiert. Zu Beginn kommt auf die Stadt ein größerer Investitionsbetrag zu – auch weil neue Stühlchen sowie Geschirr gekauft werden müssen (rund 10 000 Euro). Für 2018 sollen zu diesem Zweck insgesamt 67 000 Euro in den städtischen Haushalt eingestellt werden; die kommenden Jahre wird es mit gut 55 000 Euro etwas billiger. „Wir wollen, dass kein Kind leer ausgeht“, erklärt der Bürgermeister. „Wir rücken zusammen und kümmern uns um jeden.“ Um allen Mädchen und Jungen gerecht zu werden, werde auch der Personalschlüssel erhöht; statt 15 sollen sich künftig 17 Erzieherinnen um sie kümmern. Laut Hochtaunuskreis, der Schulträger und Träger des Betreuungszentrums ist, ist eine Gruppengröße von 30 Kindern „der Normalfall“.

Die Pädagogen verteilen sich auf sechs Differenzierungs-/Intensivräume sowie einen Bewegungsraum, in dem sie den Schülern kreative Angebote machen. „Bei Grundschulkindern muss man beweglich sein“, erklärt Einrichtungsleiterin Birgit Katona. Jeder Raum ist anders ausgestaltet und thematisch vorbereitet; die Mädchen und Jungen entscheiden selbst, mit wem sie wo was machen. 30 zusätzliche Kinder und knapp 60 Schüler, die sich Mitte August neu eingewöhnen müssen – schön, aber auch eine Herausforderung, gerade beim Essen, meint Katona. „Wir werden sehen, dass es dort nicht zu laut wird.“

Die Steinbacher Grünen haben nicht für die Erweiterung gestimmt. „Die Kosten für eine Nachmittagsbetreuung in Steinbach gehört zu den teuersten im Hochtaunuskreis“, moniert Stadträtin Hadmut Lindenblatt. „Nur Kronberg und Königstein liegen geringfügig darüber“ (siehe auch Text rechts). Während in Steinbach die Betreuung bis 17 Uhr von August an 173 Euro koste, seien an der Landgraf-Ludwig-Schule in Bad Homburg nur 80 Euro fällig.

Warum nimmt die GSS nicht am „Pakt für den Nachmittag“ teil, fragt der Grünen-Fraktionschef Klaus Deitenbeck. Dazu Bürgermeister Naas: „Das kann nur die Schulleiterin beantworten.“ Er persönlich würde es begrüßen, „wenn sich die Schule in Richtung Ganztagsschule entwickelt“ – schon allein, damit die Stadt durch den starken Förderanteil bei der Betreuung finanziell entlastet werde.

Deitenbeck: „Steinbach gilt als die Hochtaunuskreis-Gemeinde mit der schwierigsten Sozialstruktur. Gerade deshalb ist es besonders sinnvoll und nötig, Schulkindern eine verlässliche und bezahlbare Ganztagsbetreuung, verbunden mit Hausaufgabenhilfe, zu ermöglichen.“

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