20.05.2017 03:30 | Dorit Lohrmann

Naturschutzgebiet Röllbachtal: Mit der Kräuterfrau Simone Kilian unterwegs

Usingen Wie wohl eine Brennnesselquiche schmecken mag? Oder eine Kaukasische Paska mit Gundelrebe? Immer mehr Menschen haben Interesse an einer naturnahen, ausgewogenen Ernährung. Da bieten sich Wildkräuer geradezu an. Welches Kraut für welches Gericht geeignet ist, kann man morgen von Simone Kilian erfahren.

Dr. Simone Kilian kennt viele heimische Kräuter und ihre Wirkungen. Bei der Kräuterwanderung im Röllbachtal wird sie davon berichten.
Dr. Simone Kilian kennt viele heimische Kräuter und ihre Wirkungen. Bei der Kräuterwanderung im Röllbachtal wird sie davon berichten. Bild: Dorit Lohrmann

„Pflanzen sind die Nahrungsgrundlage für alle Individuen“, sagt Dr. Simone Kilian. Und darüber hinaus prägen sie ganze Landschaften. Ihr Blickwinkel auf die Flora dieser Erde hat die gebürtige Hannoveranerin dazu bewogen, Biologie zu studieren. Ihr Schwerpunkt: die Botanik. In diesem Bereich hat sie schon während des Studiums in Marburg gearbeitet. Später legte Simone Kilian ein Studienjahr an der amerikanischen Universität Knoxville in Tennesee ein. Für ihre Dissertation kehrte sie nach Marburg zurück.

Die herb-würzige Gundelrebe, auch Gundermann, eignet sich zum Verfeinern von Salaten und Gemüsegerichten. Sie wirkt auch blutreinigend. Foto: Dorit Lohrmann
Die herb-würzige Gundelrebe, auch Gundermann, eignet sich zum Verfeinern von Salaten und Gemüsegerichten. Sie wirkt auch blutreinigend.

Danach organisierte Simone Kilian des öfteren Führungen durch die Natur in ihrem damaligen Lebensumfeld, der Wetterau. Vor allem Kindern berichtete sie gerne über die Vielfalt der Natur, erzählt die Botanikerin. Und dazu nutzte sie gerne auch Gedichte und Lieder. „Wir haben zum Beispiel richtig um den Hollerbusch getanzt“, schwelgt Kilian in den Erinnerungen. Längere Zeit hat sie auch eine Schulgarten-AG in einer Grundschule in der Wetterau geleitet.

Vor 15 Jahren folgte der Umzug der mittlerweile fünfköpfigen Familie in den Taunus. „Hier habe ich mich sofort dem Nabu angeschlossen“, erklärt Simone Kilian, wie sie in die Verantwortung fürs Röllbachtal gelangt war. Das rund 70 Hektar große Naturschutzgebiet besteht zum Teil aus Wald, zum Teil aus Wiesen. Es sind Feuchtwiesen von unterschiedlichem Status – manche gedüngt, andere nicht. Kilians Aufgabe ist es, zu kontrollieren, dass die Landwirte, die für die Mäharbeit aufkommen, alles ordnungsgemäß erledigen.

Genaueste Dokumentation

Und außerdem führt Kilian Buch über die Vorkommen verschiedener Pflanzenarten, beobachtet, was neu auftaucht und auch, was bedauerlicherweise verschwindet. „Ich hab dort schon die Heidenelke entdeckt“, freut sich Kilian. Da gebe es einen besonderen Farn am Bach und der kleine Baldrian habe sich sogar schön flächendeckend ausgebreitet. Der streng geschützte Aronstab sei ebenfalls schon aufgetaucht. Als Nahrungsmittel ist diese giftige Pflanze ohnehin nicht mehr gefragt.

Die kugelige oder walzige Blütenähre des Spitzwegerichs bietet in geröstetem Zustand eine knusprige Beigabe zu Gerichten. Foto: Dorit Lohrmann
Die kugelige oder walzige Blütenähre des Spitzwegerichs bietet in geröstetem Zustand eine knusprige Beigabe zu Gerichten.

Andererseits gebe es im Naturschutzgebiet Röllbachtal zahlreiche Wildkräuter, die durchaus zum Verzehr geeignet sind. Die wird Simone Kilian morgen bei der Kräuterwanderung vorstellen. Mehr noch: Die Biologin wird Kostproben mitbringen von Speisen, die sie in ihrer heimischen Küche zubereitet hat – mit Wildkräutern aus ihrem eigenen Garten. Den hat sie größtenteils so angelegt, dass sich die Natur darin richtig schön ausbreiten kann. Das sieht klasse aus und liefert obendrein Zutaten zu allerhand Leckereien.

Das kresseartige Aroma des Wiesen-Schaumkrauts setzt Akzente auf dem Wildkräutersalat. Als Tee hilft das Kraut bei Rheuma. Foto: Dorit Lohrmann
Das kresseartige Aroma des Wiesen-Schaumkrauts setzt Akzente auf dem Wildkräutersalat. Als Tee hilft das Kraut bei Rheuma.

 

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