18.05.2017 21:43 | Evelyn Kreutz

Motorradlärm: Gemeinde machtlos: Es bleibt laut in Schmitten

Schmitten Den Sommer in Ruhe im Garten oder auf der Terrasse zu genießen, ist in vielen Schmittener Ortsteilen schwer. Einige schwarze Schafe unter den Motorradfahrern machen mit ihren frisierten Maschinen den Menschen das Leben schwer.

Die Freiheit auf zwei Rädern. Bilder >
Die Freiheit auf zwei Rädern.

Wenn die Sonne vom Himmel lacht haben manche Schmittener nicht mehr viel zu lachen. Motorrad-Rowdys ziehen auf der kurvenreichen Kanonenstraße in Richtung Sandplacken die Drehzahl ihrer Maschine hoch. Wenn dann noch die Auspuffanlage manipuliert ist, ist der Lärm für die Anwohner besonders nervtötend.

Den Kampf gegen den Motorradlärm unterstützt Schmittens Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) nicht erst, seit er im neuen Haus selbst davon betroffen ist. Denn nicht nur die Anwohner in der Hegewiese, auch die in der Kanonenstraße und in den höhergelegenen Straßen in Schmitten kriegen das mit. Er weiß aber auch: „In der Hegewiese ist es extremer.“ Bei Motorradfahrern beliebt sei aber auch die Strecke an der Kittelhütte. Diesen Lärm bekommen die Seelenberger ab. Und rund um das Rote Kreuz ist auch immer viel los, und das trifft die Reifenberger.

Kinkels Engagement gegen den Motorradlärm war 2014 nicht nur ein Pfund im Bürgermeisterwahlkampf. Seitdem hat er an zahlreichen runden Tischen teilgenommen. Neben der Lärmbelästigung ist auch die Verkehrssicherheit ein wichtiges Thema. Zusammen mit Vertretern aus Oberursel, dem Hochtaunuskreis, der Polizei und Hessen Mobil sowie der Feldberginitiative sucht der Schmittener Rathauschef eine Lösung.

„Das ist kein Thema, mit dem man Politik machen kann“, sagt Kinkel. Ob eine temporäre Streckensperrung für Motorradfahrer zwischen Sandplacken und Schmitten möglich ist, könne nicht im Bauausschuss beraten werden. „Da sind Zuständigkeiten zu beachten, und die Sach- und die Rechtslage muss geklärt sein.“ Selbst ein Pilotprojekt „Motorradfreies Wochenende“, wie es die Schmittener Grünen vorgeschlagen haben, müsse vom Landrat unterschrieben werden.

Für ein Wochenend-Fahrverbot für Motorräder wie in einer Odenwaldgemeinde braucht es laut Kinkel handfeste Zahlen. „Unsere Aufgabe ist es, dem Kreis Munition zu liefern, damit er Maßnahmen anwenden kann. Die Feldberginitiative generiere Spenden für Verkehrszählungen und Lärmmessungen. Vor Ende des Jahres werde es keine Erkenntnisse geben. Bis daraus Maßnahmen abgeleitet werden können, dauert es also noch.

In diesem Jahr müssen die Anwohner wohl oder übel wieder den Lärm aushalten. Denn die 2014 gestartete Plakatkampagne hat die Raser nicht abgehalten. Auch Polizeikontrollen fruchten nicht wirklich. „Dafür sind die Motorradfahrer zu gut vernetzt und warnen sich blitzschnell über WhatsApp“, weiß Gemeindevertreter Karl-Heinz Bös (CDU). Er ist selbst im Sommer gerne auf seiner Kawasaki unterwegs, bezeichnet sich aber als gemäßigten Fahrer. Er gehört keiner Gruppe an und fährt am liebsten allein und vergleichsweise gemächlich und vor allem vorsichtig durch die Gegend. Solche wie ihn gibt es viele unter den Motorradfahrern, und denen sollte man das Feldberggebiet als Paradies nicht wegnehmen. Auf der anderen Seite kann er es verstehen, wenn die Anwohner ihre Ruhe haben wollen.

Wie aber kommt man an diejenigen heran, die mit Vollgas innerhalb kurzer Zeit immer wieder die gleiche Strecke fahren? Die Schmittener b-now wollte eigentlich etwas gegen den Motorradlärm unternehmen und einen entsprechenden Antrag stellen. Fraktionsvorsitzender Christian Schreiter hat aber davon erst einmal Abstand genommen. Er wisse, dass die Gemeinde alleine nichts machen könne und schnelle Ergebnisse nicht möglich seien. Statt nur gegen Motorradfahrer zu agieren, sei es auch einen Versuch wert, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Ich bin dazu bereit“, so Schreiter.

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