20.05.2017 03:30 |

Der Rote Faden, Folge 224: Friedrich von Metzler - Der Stratege

Frankfurt Friedrich von Metzler ist nicht nur Bankier und Mäzen, er ist auch Ehrenbürger Frankfurts und aktiv in unzähligen Ehrenämtern. Er will die Stadt voranbringen, wie er selbst sagt. Dabei geht er sehr geschickt vor, wenn er etwas erreichen möchte: Strategisch und gleichzeitig entwaffnend freundlich – auf diese Weise hat er zum Beispiel auch das Herz seiner Frau Sylvia gewonnen. Friedrich von Metzler widmen wir Folge 224 unserer Serie "Der rote Faden", in der wir jede Woche Menschen vorstellen, die Besonderes für Frankfurt leisten.

Friedrich von Metzler hat den roten Faden um eine alte Genussrechtsurkunde gebunden, mit der 1907 die Messegesellschaft gegründet wurde. Einer der Gründer war sein Großvater Albert von Metzler.
Friedrich von Metzler hat den roten Faden um eine alte Genussrechtsurkunde gebunden, mit der 1907 die Messegesellschaft gegründet wurde. Einer der Gründer war sein Großvater Albert von Metzler. Bild: Salome Roessler

In seiner Bank heißt Friedrich von Metzler für alle kurz „FM“, wie man gleich zur Begrüßung erfährt. „FM“, das klingt – und so soll es wohl auch klingen – nach lässigem Chef. „FM kommt gleich“, sagt seine Sprecherin. Sie führt den Besucher in die erste Etage des Bankhauses. Hier sieht es eher nicht lässig aus, wo Ölbilder an den Wänden hängen, das Licht angenehm gedimmt ist und der Teppich weich. Sogar einen livrierten Assistenten gibt es, der einen speziell für Metzler gemischten Rauchtee mit Bergamotte anbietet. Offensichtlich weiß man hier, was die vermögenden Kunden erwarten.

Der Hausherr selbst tritt dann aber so umgänglich, humorvoll und unprätentiös auf, dass man mit ihm sofort ein Bier trinken gehen würde. Mit einem kurzen Blick überzeugt er sich, dass genügend Tee für alle da ist. Dann sieht er sein Gegenüber aufmunternd an: „Was wollen Sie denn wissen?“

Der Rote Faden - 
Frankfurter im Porträt,
Societäts-Verlag 2015,
208 Seiten, Bildband,
€ 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), 
ISBN: 978-3-95542-147-2
Der Rote Faden - Frankfurter im Porträt, Societäts-Verlag 2015, 208 Seiten, Bildband, € 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), ISBN: 978-3-95542-147-2
Es ist ein bisschen merkwürdig, jemandem gegenüber zu sitzen, nach dessen Familie in Frankfurt Straßen und Gebäude benannt sind. Das Bankhaus Metzler ist nach eigenen Angaben die älteste Privatbank, die ohne Unterbrechung in Familienbesitz ist, gegründet 1674. Friedrich von Metzler und seine Frau Sylvia spenden Millionenbeträge für Kultur und Sozialprojekte, schon die Vorfahren haben das Kunstmuseum Städel und die Senckenberg Stiftung gefördert, einer der Bankiers war mit Goethe befreundet, und das sind nur einige Beispiele für das Wirken der von Metzlers. Wie ist das, aus einer so besonderen Familie zu kommen? Friedrich von Metzler schüttelt den Kopf: „Wir haben uns nie als eine besondere Familie gefühlt“, sagt er. „Das Besondere ist höchstens, dass wir über viele Generationen die Bank erhalten haben.“ Er lächelt verbindlich. Mehr will er dazu nicht sagen. Auch sonst vermeidet er sorgfältig jede Aussage, die auch nur im Ansatz unbescheiden klingen könnte – ebenso wie Kritik an der Konkurrenz.

Friedrich von Metzler soll zu den 100 reichsten Deutschen gehören und seine Bank weckt Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz. Aber verglichen mit anderen, hemdsärmelig und forsch auftretenden Bankchefs alter Schule wirkt der Bankier eher zurückhaltend. „Ja“, bestätigt er, zurückhaltend sei er, es falle ihm aber trotzdem leicht, auf Menschen zuzugehen. Was das heißt? „Das heißt, dass zum Beispiel öffentliche Reden nicht meine Lieblingsbeschäftigung sind, mir aber auch keine Schwierigkeiten machen“, sagt er und lacht.

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