19.05.2017 09:21 |

Kommentar: Die Polizei alleine kann das Bahnhofsviertel nicht befrieden

Die Polizei hat in den vergangenen Monaten getan, was sie kann, um das Bahnhofsviertel zu befrieden. Aber das reicht nicht. Ein Kommentar von Christian Scheh.

ARCHIV - Polizisten durchsuchen am 06.10.2016 am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main (Hessen) einen Verdächtigen nach Drogen. Die Beschwerden von Geschäftsleuten und Passanten über Dealer und Drogenabhängige im Frankfurter Bahnhofsviertel reißen nicht ab. Mit Kontrollen und Razzien sowie einer Reihe von Aufenthaltsverboten für mutmaßliche Drogenhändler geht die Polizei seit Jahresbeginn stärker gegen die Szene vor.  (zu dpa-Vorausmeldung «Polizei geht stärker gegen Dealer vor» vom 07.12.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Foto: dpa Bild: Boris Roessler (dpa)

Das Frankfurter Polizeipräsidium und seine Besondere Aufbauorganisation (BAO) haben in den vergangenen Monaten Beachtliches geleistet. Obwohl viele verschiedene Akteure zum Kampf gegen die Drogendealerszene beigetragen haben, war der landespolizeiliche Beitrag zur Entschärfung der Situation mit Abstand der größte. Die 100 zusätzlichen Polizisten der BAO haben mit regelmäßigen Kontrollen und täterorientierten Ermittlungen dafür gesorgt, dass der Hauptbahnhof, seine B-Ebene und die umliegenden Straßen heute nicht mehr den Eindruck eines „rechtsfreien Raumes“ erwecken. Die Beamten haben getan, was in ihrer Macht steht – dafür gebührt ihnen Anerkennung und Dank.

Die Freude über die Erfolge der BAO ist aber von einer bitteren Erkenntnis getrübt: Selbst ein halbes Jahr intensiver Polizeiarbeit hat die Dealerszene im Bahnhofsviertel nicht nachhaltig erschüttern oder gar zerschlagen können. Auf den Straßen des Stadtteils wird weiter mit Crack und Cannabis gehandelt, zwar nicht mehr so zentral und offen wie zuvor, aber doch so, dass sich Anwohner und Geschäftsleute daran stören.

Welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen? Außer der Polizei müssen jetzt auch alle anderen Akteure „Vollgas geben“: Die Justiz bei der Verfolgung und Bestrafung von Dealern, die Ausländerbehörde bei deren Abschiebung und die Drogenhilfe bei der Arbeit mit Konsumenten. Die Probleme im Viertel sind so komplex, dass die Polizei sie nicht allein lösen kann.

Kommentare

  • Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
    geschrieben von ThomasSchoeffel (84 Beiträge) am 20.05.2017 06:42

    Ein Polizist erzählte mir, daß er im vergangenen Jahr einen bestimmten Dealer allein zwischen März und September sechzig mal (!) festgenommen habe. Die Richter lassen diese Leute immer wieder laufen. Die immer so schwergewichtig genannten "erkennungsdienstlichen Maßnahmen" heißen auf deutsch übersetzt:"Wir schreiben deinen Namen auf bevor du wieder nach hause gehen darfst." Oho, da wird sich der Drogendealer aber fürchten. Ich würde mir wünschen, daß die Drogendealer zu den Richtern zögen, die sie immer und immer wieder laufen lassen. Vielleicht muß erst die Tochter eines Richters ins Drogenverderben stürzen, bevor diese naiven Gutmenschen der nackten Realität ins Gesicht zu sehen in der Lage sind. Wer meiner Tochter Drogen verkauft, hat in meinen Augen seine bürgerlichen Ehrenrechte verwirkt. Und wenn der ehrenwerte Richter das anders sehen sollte, dann kann ich das als Aufforderung verstehen, seine Ehefrau unter Drogen zu setzen, wenn das doch alles nicht so schlimm sein sollte.

  • Volle Zustimmung
    geschrieben von bandog (739 Beiträge) am 20.05.2017 08:49

    Perfide:
    Die Gefängnisse sind jetzt schon überfüllt und die Richter sind gehalten, Kosten zu sparen- auf Kosten der Bevölkerung.
    Die Rechnung wird uns allen präsentiert.

  • Politischer Wille fehlt
    geschrieben von FreiMessow (6 Beiträge) am 19.05.2017 11:57

    Sehr richtig, dass alle Behörden zusammen an einer Lösung arbeiten müssten. Nur fehlt in Frankfurt dazu leider der politische Wille.

  • Nur komisch, dass in München oder Stuttgart im
    geschrieben von igeligel (205 Beiträge) am 19.05.2017 10:00

    Bahnhofsviertel noch niemals solche Zustände herrschten...



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